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Ein schwarz-weiß Foto zeigt den bekannten Erfinder und Unternehmener Robert Bosch

Persönlichkeiten aus Albeck und Langenau

Mehrere Personen prägen und prägten Langenau bis heute. Hierzu zählen unter anderen der Firmengründer Robert Bosch, der 1861 in Albeck geboren wurde, sein Chefentwicklung und Erfinder Gottlob Honold, der aus Langenau stammt, sowie der französische Zwangsarbeiter Francis Bioret, der 1945 im Alter von 22 Jahren in Langenau ermordert wurde und an den eine Gedenktafel auf dem Marktplatz erinnert.


Robert Bosch

Am 23. September 1861 wurde Robert Bosch in Albeck geboren. Sein Vater war Besitzer des Gasthauses „Zur Krone“. 1869 verkaufte Robert Boschs Vater seinen ganzen Besitz in Albeck und zog mit seiner Familie nach Ulm.

Später eröffnete Robert Bosch in Stuttgart seine „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“, wo er 1887 seinen ersten Niederspannungs-Magnetzündapparat baute. Die von der Firma Bosch auf den Markt gebrachte Einspritzpumpe für den Dieselmotor war ein Durchbruch in der Autoindustrie. Robert Bosch führte als einer der ersten die achtstündige Arbeitszeit ein, später den freien Samstagnachmittag sowie eine nach Betriebszugehörigkeit gestufte Urlaubsregelung. Am 12. März 1942 starb Robert Bosch in Stuttgart.

Zu seinen Ehren entstand in Albeck ein Rundweg, der Robert-Bosch-Rundweg. Dieser führt durch die Ortschaft Albeck und mit einer AR-App können multimediale Zusatzinhalte erlebt werden.


Gottlob Honold

Am 26. August 1876 wurde Gottlob Honold in Langenau als Sohn eines Oberlehrers im damaligen Schulhaus in der Achstraße in Langenau geboren. 1891 trat Honold nach dem Besuch der Langenauer Volksschule und des Ulmer Realgymnasiums eine Feinmechaniker-Lehre in der Firma von Robert Bosch in Stuttgart an.

Gottlob Honold wurde 1901 erster Ingenieur bei Bosch und entwickelte den Hochspannungs-Magnetzünder, der den Bau von schnelllaufenden Hochleistungsmotoren ermöglichte. Bis 1914 gelang es der Firma, mit der von Honold konstruierten Zündung und unter seiner Leitung entwickelten Lichtanlage, sowie einem speziellen Starter, eine vollständige elektrische Kraftfahrzeuganlage anzubieten. Am 17. März 1923 starb Gottlob Honold in Stuttgart.

Ein Buch über Gottlob Honold

Am 1. April 1901 trat Gottlob Honold in die Firma von Robert Bosch ein. Damals ahnte niemand, dass sich aus der „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ in Stuttgart einmal die Weltfirma Robert Bosch GmbH entwickeln würde.

Der Gründer der Firma hat diesen Aufstieg vor allem auch seinem Chefentwickler Gottlob Honold zu verdanken. Und doch ist sein Name vielen Menschen unbekannt und selbst in Büchern über Automobilgeschichte wird er nicht unter den Erfindern aufgeführt. Wer also war dieser Gottlob Honold?

Er wurde 1876 in Langenau als Sohn des Schulmeisters der Lateinschule an der Ach geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Langenau ging er auf das Realgymnasium in Ulm und begann eine Lehre als Feinmechaniker bei Robert Bosch, die er 1894 beendete.

Nach seinen Wanderjahren begann er 1895 an der Technischen Hochschule Stuttgart mit dem Studium des Maschinenbaus und der Elektrotechnik. Nach seinem Abschluss und einer einjährigen Assistenzzeit an der Hochschule, erhielt er von Robert Bosch das Angebot, in seiner Firma arbeiten und forschen zu können. Das war, wie sich bald herausstellen sollte, für beide ein Glücksfall, denn Gottlob Honold war alles in einem: Planer und Organisator, Erfinder, Ingenieur und Konstrukteur.

Er hat vor allem mit der Erfindung der Hochspannungsmagnetzündung, der Zündkerze und anderer elektrischer Anlagen für Kraftfahrzeuge dazu beigetragen, die Bosch-Werke weiterzubringen und in Deutschland und Europa bekannt zu machen. Weitere herausragende Leistungen sind der Entwurf des Bosch-Logos, das bis heute auf jedem Bosch-Produkt zu finden ist, die Planung und Organisation von Gebäuden und Fabrikanlagen sowie die Aufstellung und Inbetriebnahme der Arbeitsmaschinen.

Robert Bosch sagte in einer schwierigen Zeit für seine Firma über ihn:

„Gottlob Honold hat die Höchstleistung seines Lebens vollbracht, weil er als nachdenklicher wissenschaftlicher Erfinder und praktisch veranlagter Konstrukteur trotzdem in der Lage war, die notwendige Energie und Fähigkeit aufzubringen, um meine Firma menschenfreundlich und organisatorisch in einer turbulenten Epoche souverän zu führen. Der Ruhm in dieser belastenden Zeit gebührt Gottlob Honold. Ohne Gottlob Honold wäre wohl das Unternehmen zusammengebrochen.“

Um diese großartigen Leistungen bekannt zu machen, hat der aus Langenau gebürtige Karl Manfred Erhardt über viele Jahre mühsam historische Fakten und Dokumente zusammengetragen und nun ein Buch im Eigenverlag herausgebracht. Sie ist eine Biografie, ergänzt mit ein paar einfachen Beschreibungen technischer Hintergründe. Informationen von den Nachfahren und Bilder aus ihren Archiven machen das Buch lebendig und sollen den Kraftfahrzeugpionier aus Langenau würdigen.

Das Buch kann in Langenau bei der Buchhandlung Mahr, im Schreibwarengeschäft Metzger und im Rathaus der Stadt Langenau erworben oder unter der E-Mail-Adresse honold-mobilitaetsgeschichte@t-online.de bestellt werden.

Gottlob Honold 1908
Fotonachweis: Robert Bosch GmbH, Stuttgart


Francis Bioret

Francis Raymond Marie Bioret war ein französischer Zwangsarbeiter, der wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach einem unrechtmäßigen Todesurteil am 13. April 1945 auf dem Marktplatz der Stadt Langenau durch die Schutzstaffel (SS) ermordet wurde.

Am 13. April 2013, fand im Langenauer Pfleghof eine Gedenkfeier für Francis Bioret statt, an welcher auch der Präsident der französischen Vereinigung zur Erinnerung an Zwangsarbeit und Kriegsverbrechen, Jean Chaize, teilnahm.

Anschließend wurde eine Gedenktafel für Francis Bioret enthüllt. Sie zeigt unter anderem sehr augenfällig die ausgetretenen Schuhe Biorets, die tagelang unter seinem Galgen nicht weggeräumt wurden, und außerdem als Symbole für seine artistische Begabung einige Jonglierbälle und eine Feder. Die Tafel trägt folgende Inschrift:

An dieser Stelle wurde am 13. April 1945, wenige Tage vor Kriegsende, der französische Zwangsarbeiter FRANCIS BIORET von der SS erhängt. Er wurde 22 Jahre alt.

Ihren Platz fand die Gedenktafel genau dort, wo Francis Bioret 1945 am Galgen starb, in dem breiten Gehwegbereich vor dem heutigen „Café am Marktplatz“ gegenüber dem Rathaus.

Kurzfilm zu seinem Schicksal

Am 13. April jährt sich in Langenau zum 76-mal die Ermordung des französischen Fremdarbeiters Francis Bioret durch die Nationalsozialisten. Ein Mahnmal auf dem Marktplatz, das von dem Langenauer Künstler Michael Döhmann gestaltet wurde, erinnert seit einigen Jahren an dieses abscheuliche Verbrechen.

Auch in diesem Jahr kann aber auf Grund der Corona-Pandemie keine öffentliche Gedenkfeier am Marktplatz oder im Pfleghofsaal stattfinden. Die Stadt Langenau wollte aber trotzdem, mit einer in dieser Zeit möglichen Art und Weise, Francis Bioret gedenken.

Auf Initiative von Edwin Köperl vom Kulturbüro der Stadt ist so ein 15-minütiger Kurzfilm entstanden, der die Geschehnisse rund um die Ermordung des französischen Zwangsarbeiters Francis Bioret in Erinnerung rufen möchte.

Neben Erinnerungen von Zeitzeugen und historischen Fotos enthält der Film eine Reportage von Schülern des Robert-Bosch- Gymnasiums von den Schauplätzen des Geschehens am 13. April 1945.

Weiterhin kommen zu Wort: Michael Döhmann, der die Entstehungsgeschichte der Gedenktafel auf dem Marktplatz schildert. Bürgermeister Daniel Salemi betont die Notwendigkeit des Erinnerns für die Stadt, Andreas Lörcher von der Denkstätte Weiße Rose weist auf die Besonderheit des Mordes hin, da dieser juristisch genau untersucht wurde. Wilmar Jakober vom Initiativkreis 8. Mai weist auf die fünf Menschen aus Russland hin, die neben dem früheren Grab von Francis Bioret bestattet wurden.

Der Film, der von Klaus-Peter Berg hergestellt wurde, ist seit dem 13. April auf YouTube zu sehen.

Da eine Gedenkfeier derzeit nicht möglich ist, wird darum gebeten im Laufe des Abends Kerzen an der Gedenktafel aufzustellen.

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