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Orgel in Göttingen ist 100 Jahre alt
Um dieses Jubiläum hat Göttingen gekämpft


Von Karin Mitschang

Mitten im Ersten Weltkrieg entschieden sich die Göttinger 1915, die alte Orgel aus dem Jahr 1836 durch ein neues Instrument für die im 15. Jahrhundert erbaute St. Martinskirche zu ersetzen. Aus der alten Gruol-Orgel wurde vermutlich nur ein Register übernommen. „Durch die Inflation vervielfachte sich dann aber der Preis“, weiß der Ortschronist Günther Grässel, der vor einigen Jahren die erste Ortschronik und in diesem Jahr eine Broschüre über die Herrschafts- und Kirchengeschichte Göttingens herausgebracht hat. Die im renommierten Haus Gebrüder Link in Giengen beauftragte Orgel trieb die Gemeinde fast in den Ruin und brachte sie um ihr gesamtes Bar-Vermögen. „Die Opferbereitschaft der Menschen in Göttingen war damals groß“, sagt Grässel.

Klang verfälscht
1949 bekam die Link-Orgel ein elektrisches Gebläse, welches das „Orgeltreten“ überflüssig machte.  1975/76 wurde das Instrument überholt. „Nach der damaligen ideologischen Strömung hat man das romantische Klangbild mit zusätzlichen Registern aufgehellt“, sagt der langjährige erste Ulmer Münsterorganist Friedrich Fröschle, der seit einigen Jahren in Göttingen wohnt. „Wunderhübsch“ nennt er die 100-jährige Anlage, die zum Glück 2006 wieder in ihren alten Zustand versetzt worden sei. Fröschle: „Die zusätzlichen Register mit dem barocken, so genannten silbernen Glitzern, haben einfach nicht reingepasst. Jetzt klingt sie wieder sehr romantisch.“

Doch vor ihrer Renovierung und der erneuten Einweihung hatte die Orgel der Gemeinde wieder Kopfzerbrechen bereitet. „Manche Stücke konnte man gar nicht mehr darauf spielen, so schlecht war der Klang geworden“, erinnert sich Günther Grässel. Denn alle beweglichen Teile, die die Pfeifen mit den Tasten verbinden, verschleißen mit der Zeit unweigerlich.

Renovierung oder Keyboard?
Und wieder ging es um Geld: Die nötigen 14 000 Euro für die Renovierung sollte die kleine Gemeinde ganz alleine stemmen. Der damalige Pfarrer Robert Pawlowski wollte stattdessen eine elektronische, digitale Orgel anschaffen, die Link sollte raus. „Jetzt hört’s auf“, habe es im ganzen Dorf geheißen, berichtet Grässel. Die Bürger machten – übrigens ganz unabhängig von Herkunft und Konfession – mobil. Zumal die alte Kirche 600 Jahre alte Glocken beherbergt. Ein besseres Keyboard „hätte nicht zum Ensemble gepasst“, meint Grässel.

Doch es war keine Demo und kein Shitstorm, den die Leute auf die Beine stellten, sondern Spendenaktionen: Feste im Pfarrgarten, ein Hofgottesdienst bei Familie Walter Schuler, Adventsbasare, Orgelkonzerte und viele andere Aktionen waren erfolgreich, die Renovierung war in trockenen Tüchern. „Es haben wirklich alle zusammengehalten und das gemeinsam geschafft“, sagt Grässel, der den Zusammenhalt im Langenauer Ortsteil generell als hoch einschätzt. Im Jubiläums-Jahr der Göttinger Link-Orgel sammelt nun auch Pfarrerin Irmtraud Ahlers Spenden: Diesmal geht es um die Innenrenovierung der Martinskirche. Auf eine Konzertreihe, die am kommenden Sonntag startet, sollen weitere Aktionen folgen (siehe Infobox), und diesmal gibt es, im Gegensatz zur Orgelsanierung, auch Geld von Bezirk und Landeskirche. Die 100-jährige Orgeldame hält nach Ansicht von Friedrich Fröschle freilich noch lange durch. „Die kann schon nochmal 100 Jahre gespielt werden“, meint der Fachmann. Wenn die Mechanik bis dahin nochmal fachmännisch überholt wird.

Feiern und erneut Spenden sammeln
Veranstaltung Im Jubiläumsjahr der Link-Orgel beginnt eine Konzertreihe in der Göttinger Kirche, die das gut erhaltene Instrument zum Klingen bringt. Das erste Konzert ist am Sonntag, 10. November, um 17.30 Uhr mit Friedrich Fröschle aus Göttingen. Er wird von Ehefrau Stefanie Elbe-Fröschle (Flöte) begleitet. Es werden unter anderem Werke von Bach, Händel und Haydn zu hören sein. Der Eintritt ist frei, die Spenden kommen der Innensanierung der Kirche zugute. Auch der Erlös der neuen Herrschafts- und Kirchenchronik Göttingens kommt zu 100 Prozent der Renovierung von St. Martinus zugute. 2020 soll es für diesen Zweck weitere Veranstaltungen geben.
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Redakteur / Urheber
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