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Glyphosat in Langenau Bahn:
Behörde bestätigt Glyphosat-Einsatz im Wasserschutzgebiet


Langenau / Von Thomas Steibadler

Welche Spritzmittel setzen die Landwirte ein? Welche Mengen der Pflanzen- und Insektengifte werden auf den Feldern ausgebracht? Darüber möchte die Landeswasserversorgung (LW) Auskunft. Die Landratsämter Alb-Donau und Heidenheim sowie das vorgesetzte Ministerium für Ländlichen Raum in Stuttgart wollen die Daten aber nicht herausgeben. Die LW klagt daher bei den Verwaltungsgerichten Sigmaringen und Stuttgart. Offener hat die Deutsche Bahn auf eine Anfrage des Zweckverbands reagiert: Demnach verwendet die Bahn das umstrittene Pflanzengift Glyphosat auch im Wasserschutzgebiet Donauried-Hürbe.

Auf diesen Bahnstrecken kam Glyphosat zum Einsatz
Etwa 67 Tonnen Glyphosat hat die Bahn nach eigenen Angaben im Jahr 2017 eingesetzt. Um die Gleistrassen pflanzenfrei zu halten, werden auch Mittel mit anderen Wirkstoffen verwendet. Als im Mai ein solcher Spritz-Zug im Langenauer Bahnhof aufgefallen war, wollte ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage unserer Zeitung aber keine Auskunft darüber geben, ob auf der Trasse der Brenzbahn Ulm–Aalen Glyphosat gespritzt wird. Die Landeswasserversorgung, die bei Langenau unweit der Brenzbahn ihr größtes Trinkwasserwerk betreibt, hakte daraufhin bei der Bahn nach.

Die Antwort des Eisenbahnbundesamtes sei umfassend, sagt LW-Pressesprecher Bernhard Röhrle. Die Angaben beziehen sich nicht nur auf die Brenzbahn, die im Abschnitt Unterelchingen–Sontheim das Wasserschutzgebiet kreuzt, sondern auch auf die Filstalbahn von Ulm-Jungingen bis Amstetten. Demnach sind dort in den Vegetationsphasen 2015/2016 sowie 2017/2018 jeweils zwei glyphosathaltige Mittel eingesetzt worden sowie Produkte mit den Wirkstoffen Flumioxazin und Flazasufuron.

„Eine Auskunft, mit der wir was anfangen können“, sagt Röhrle. Fehlten nur noch die jeweiligen Mengenangaben. Diese wolle die DB Netz AG noch nachliefern. Die Angaben seien für die Landeswasserversorgung wichtig, um ihre Messprogramme auf die entsprechenden Mittel auszurichten. Mögliche Risiken könnten so besser abgeschätzt werden.

Pflanzengift im Donauwasser nachgewiesen
„Glyphosat ist ja nicht verboten“, sagt Röhrle. Aber die LW orientiere sich an der Weltgesundheitsorganisation, die den Wirkstoff als potenziell krebserregend einstufe. Der Zweckverband, der in Baden-Württemberg etwa drei Millionen Einwohner mit Trinkwasser versorgt, will daher ganz genau wissen, wieviel Glyphosat gespritzt wird. Schließlich hat das LW-Labor den Wirkstoff schon in Wasserproben aus der Donau, der Blau, der Nau und der Roth nachgewiesen. Nicht aber im Grundwasser, das in Langenau zu Trinkwasser aufbereitet wird.

„Mit dem gleichen kritischen Blick schauen wir auch auf andere Spritzmittel“, sagt Röhrle. Als Beispiel nennt er Chlorthalonil, das im Getreide-Anbau gegen Pilze verwendet wird. Der Wirkstoff sei ebenso wie Glyphosat zugelassen, der gesundheitliche Orientierungswert liege bei 3000 Nanogramm pro Liter. Allerdings sei die Wirkung des Stoffes auf den Menschen nicht kar. „Die Diskussion, ob das Mittel krebserregend ist, läuft.“ Wenn ja, würde der gesetzliche Grenzwert nach der Trinkwasserverordnung greifen: 100 Nanogramm pro Liter. Und dann müsste die die LW handeln, die im Grundwasser schon 300 Nanogramm gemessen hat.

Gerichte sollen bald entscheiden
Vor diesem Hintergrund betont Röhrle, wie notwendig Informationen über den Spritzmitteleinsatz in der Landwirtschaft seien. Diese Daten seien für die LW noch wichtiger als die Auskunft der Bahn. Mit Entscheidungen der Verwaltungsgerichte rechne er bis Jahresende. Noch schwieriger sei es allerdings, Daten darüber zu bekommen, wieviel Pflanzen- und Insektengift in Privatgärten versprüht wird.
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