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Angst und Anklage in der Langenauer Verwaltung


Markus Fröse

Darauf hatte GUL-Gemeinderat Roland Riedlinger in der Ratssitzung am 18. Januar hingewiesen. Und Helga Mack (CDU) wünschte dort „allen Beteiligten einen guten, motivierenden Arbeitsplatz und eine Sprache, die nicht Gräben reißt, sondern Brücken baut“.

In einer teils beleidigenden Sprache, die keine Brücken baut, ist ein Brief zum Thema formuliert, der unserer Redaktion ohne Absenderangabe zugespielt wurde. Unterzeichnet ist er mit „Bürger aus Langenau“. In dem Schreiben werden „Missstände“ in der Stadtverwaltung beklagt: Stellen würden mit ortsfremden, unqualifizierten, unerfahrenen Personen besetzt, heißt es. Und: „Die Umstrukturierungen sorgen wohl eher für Mobbing, Vertrauensverlust, schlechte Motivation...“ Versprechungen des Bürgermeisters, für Ängste und Sorgen der Mitarbeiter stets ein offenes Ohr zu haben, träfen nicht zu.

Weiter beklagt wird in dem Brief, dass die Umstrukturierung nicht gut umgesetzt werde, was die „räumlichen Gegebenheiten“ angehe. Mitarbeiter würden „bunt gewürfelt“ mit gänzlich neuen Aufgaben betraut. Was die Umstellung vom bisherigen auf das doppische Buchführungssystem angeht, die zum Jahreswechsel vollzogen wurde, habe man sich für ein nicht ausgereiftes Programm entschieden. Dies führe wegen Mehraufwand bei der Erfassung zu Verzögerungen bei der Bescheid-Erstellung. Und schließlich: Über Verbesserungen werde nur geredet, aber nichts in die Tat umgesetzt.

Was die genannten Vorwürfe angeht, beruft sich Gerhard Deutschmann, seit 1993 Personalratsvorsitzender bei der Stadt, auf seine Schweigepflicht: „Ich bin nicht befugt, etwas auszuplaudern.“ Grundsätzlich sei man offen für Verbesserungen und stehe als Vertretung des Personals hinter den Mitarbeitern.

„Umstrukturierungen führen zu Ängsten“, sagt Bürgermeister Daniel Salemi, nachdem er vom Inhalt des Briefs erfahren hat. Die Umstrukturierung sei auch deshalb von einer Projektgruppe mitgestaltet worden, gebildet von freiwillig mitmachenden Mitarbeitern aller betroffenen Abteilungen inklusive einem Azubi. Die Gruppe habe sich mit Abläufen der Verwaltung beschäftigt, Mitarbeiter befragt und dann einem Steuerungskreis Verbesserungsvorschläge gemacht.

„Wir haben bei der Analyse festgestellt, dass manche Prozesse über bis zu neun Schreibtische gegangen sind“, erklärt Salemi die Suche nach „Synergien“ in einer „wachsenden Stadt mit wachsender Verwaltung“. Thematisch verwandte Bereiche sollten möglichst auch räumlich beieinander sein. Mit jedem von Veränderungen betroffenem Mitarbeiter sei mindestens einmal, teils öfter gesprochen worden. Und so groß seien die Veränderungen nicht: „Die meisten Mitarbeiter haben ihre Hauptaufgaben behalten und nur Teilaufgaben gewechselt.“ Der Personalrat sei am Prozess beteiligt gewesen – und es sei eine Personalversammlung zum Thema abgehalten worden.

Durch schwangere Mitarbeiterinnen sei es zu Personalwechsel gekommen, geht Salemi auf einen weiteren Vorwurf ein. Eingestellt würden nur fachlich kompetente Personen, ausgewählt in einem transparenten Verfahren unter Beteiligung des Personalrats. Bei Leitungskräften seien auch Vertreter der Ratsfraktionen dabei.

Der Wechsel zur Doppik wiederum sei eine sehr große Software-Umstellung mit vielen tausend davon berührten Datensätzen. „Da hat jede Kommune Probleme.“

Und er selber regiere nicht aus dem Elfenbeinturm heraus, sagt Salemi: „Wer einen Termin mit mir wünscht, bekommt auch einen.“ Was den Umstrukturierungsprozess angehe, „schauen wir, wie es läuft und bessern nach, wo es notwendig ist“.

Geänderte Struktur seit Jahresanfang
Stadtverwaltung
Das Dezernat 1 gliedert sich in folgende Bereiche (Zuständigkeiten): Kulturbüro (Kulturarbeit, Festorganisation, Vereinsförderung, Veranstaltungsräume, Fair-Trade, Bioret); Personal und Organisation (Personal- und Organisationsdienste, Lohnbuchhaltung, Sekretariatsaufgaben, Bürgermeister, Post- und Geschäftsstelle, Gemeinderat); Familie und Bildung (Kitas, Schul- und Hallenverwaltung, Ferienprogramm, Jugendarbeit und -beteiligung, Seniorenarbeit); Stadtmarketing und Tourismus (Öffentlichkeitsarbeit, Stadtbücherei, Museen, Archiv, Tourismus, ÖPNV, Städtepartnerschaften); Ordnung und Sicherheit (Ordnungsaufgaben, Brandschutz, Personenstand, Straßenverkehr, Versicherungen, Wahlen, Rechtsamt, Integration); Bürgerbüro (Einwohnermelde- und Gewerbeamt, Passwesen, Ausgabestelle, Soziales, Ortsverwaltungen).
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