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Washi Binte Wohab will Wasser-Expertin werden


Langenau / Oliver Heider

Die Idee dahinter ist einfach, wie LW-Pressesprecher Bernhard Röhrle erklärt: Junge Menschen aus aller Welt erfahren Vieles aus dem gesamten Wassersektor – unter anderem Wasserversorgung, -aufbereitung, Fluss- und Anlagenbau, Bewässerung. „Dieses Know-how sollen sie in die Welt hinaus tragen“, sagt Röhrle.

Wie nötig dies für Bangladesch ist, kann die 23-Jährige, die seit eineinhalb Jahren in Deutschland ist, bestätigen. „In unserem Land gibt es viele Probleme“, sagt Washi, die in der Hauptstadt Dhaka einen Bachelor-Abschluss im Bauingenieurwesen erreicht hat und nun in Deutschland ihre Master-Arbeit schreiben will. Der Grundwasser-Spiegel sinke, weshalb immer tiefer gebohrt werde. Weil das nötige Know-how fehlt, könne es durch absackende Schichten gar zu Erdbeben im dicht besiedelten Land kommen.

Ein weiteres Problem sei schmutziges Oberflächenwasser, das viele Bakterien und Viren enthält. Oft tödliche Krankheiten seien die Folge. Dass Desinfektionstabletten oder Wasser-Abkochen helfen können, vermittele die Regierung zwar immer wieder in kleinen Seminaren. Doch viele wüssten nichts davon.

Zudem verunreinige die Textil-Industrie die Flüsse mit Giftstoffen. Da es keine Kläranlage gebe, sei mancherorts nicht einmal duschen möglich, sagt Washi.
Diese riesigen Probleme in Bangladesch will die 23-Jährige angehen: „Unser Land schätzt das Wissen aus Deutschland.“ Deswegen studiere sie hier. In einer Industrienation, die über ausgefeilte Technologie verfügt.

„Das Wasserwerk Langenau ist die Umsetzung dessen, was Wasserversorgung in Bangladesch bedeuten könnte“, erklärt Röhle. Stichwort: Fluss-Entnahme. Oder das Labor in Langenau, in dem die Arsenbelastung analysiert wird. Was in Bangladesch ein großes Problem ist, sagt Washi. Auch die Kläranlage im Steinhäule, die nach Röhrles Ansicht „sehr sauber arbeitet“, könnte als Blaupause für Bangladesch dienen.

Doch Washi steht vor der großen Aufgabe, das deutsche Know-how in die Köpfe der Regierenden zu bringen. Zwei Möglichkeiten habe sie, in Bangaldesch etwas zu bewegen, meint Röhrle. Entweder sie realisiert in Unternehmen Projekte. Oder sie geht an die Hochschule und hält Vorlesungen. Ziel müsse es sein, das Umweltbewusstsein zu schärfen. Vorbild könne da der „vorausschauende Umweltschutz“ nach deutschem Vorbild sein, meint Röhrle. Bangladesch sei heute dort, wo Deutschland vor 130 Jahren war. Zu vermeiden sei auch, dass Ressourcen in Bangladesch übernutzt würden. Denn: Sollte es zu wenig Wasser geben, könnten Wanderungsbewegungen die Folge sein.

50 Prozent Frauenanteil
In Deutschland jedenfalls fühlt sich Washi wohl. Die Dozenten seien gut, die Inhalte interessant, Kontakt zu Landsleuten habe sie auch. Und sogar ihr Mann, den sie 2017 heiratete, studiert das Gleiche wie sie, sagt die Frau aus Bangladesch, wo 50 Prozent aller Ingenieure weiblich seien. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur 15 bis 20 Prozent. Bevor sie das deutsche Know-how in die Heimat trägt, will Washi hierzulande noch eine Doktoranden-Stelle finden.

Nach ihrem Besuch im Wasserwerk geht es für Washi weiter: Sie schaut sich die Fassungsanlagen und Brunnen im Donauried an, wo Grundwasser gewonnen wird. Anschließend die Flusswasser-Entnahme aus der Donau bei Leipheim, bevor es wieder zurück nach Stuttgart geht. Hoffentlich mit vielen Ideen für ihre Heimat.

Die Landeswasserversorgung und der Studiengang
Donauried Der Zweckverband Landeswasserversorgung (LW) hat knapp 300 Mitarbeiter und sitzt in Stuttgart. Mit Wasserwerken in Langenau und Dischingen versorgt er drei Millionen Menschen. Im Donauried hat die LW mehr als 200 Brunnen, sechs Fassungsanlagen, kann pro Sekunde in der Spitze 2500 Liter entnehmen. Das Einzugsgebiet ist 315 Quadratkilometer groß.

Universität „Water Resources Engineering and Management“ war einer der ersten internationalen Studiengänge der Uni Stuttgart, den diese vor 21 Jahren ins Leben rief, sagt Kurs-Direktorin Anne Weiß. Derzeit studieren ihn rund 50 Frauen und Männer aus Ländern wie Mexiko, Indien, Kenia, Nigeria, Indonesien, Kolumbien, Ecuador, Kanada und den USA. „Der Studiengang ist auch für Deutsche offen“, sagt Weiß. Die müssten, anders als alle aus Nicht-EU-Ländern, keine Studiengebühren bezahlen. Mehr Informationen unter www.warem.uni-stuttgart.de.
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