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Stefan Kreibich übernimmt Bäckerei in Langenau


Oliver Heider

Wie berichtet, hatte Armin Wiedensohler im Juni vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Seitdem versuchte Tobias Sorg, den Betrieb mit Filialen in Langenau und Blaustein zu retten, den Beschäftigten eine Zukunftsperspektive zu bieten. Auf Anfrage erklärt der Insolvenzverwalter: „Die Bäckerei in Blaustein kann leider nicht fortgeführt werden.“ Zu klein sei sie wohl für potenzielle Käufer gewesen, der Umsatz zu gering. Die zwei Angestellten sollen offenbar in Langenau unterkommen.

Die mehr als 30 Angestellten in der Naustadt, darunter einige Aushilfskräfte, seien alle übernommen worden, sagt Sorg. Sofern diese das auch wollten. Die Insolvenz-Verhandlungen seien schwierig gewesen. In einer Branche, in der es ein Bäckereien-Sterben gibt, sich Groß-Bäckereien ausbreiten. „Unser Ziel war es, dass in der Bäckerei weiter selbst gebacken wird“, erklärt Sorg. Seine letzte Information sei, so der Insolvenzverwalter, dass der neue Inhaber dies so beibehalten will.

Der Neue, das ist Stefan Kreibich, der in Ulm zwei Filialen hat: die „Oststadt-Bäckerei“ in der König-Wilhelm-Straße und in der Karlstraße. Kreibich ist ein bekanntes Gesicht in Langenau. Hatte er doch zunächst mit Armin Wiedensohler gemeinsam im Jahr 2013 die Bäckerei Mettmann übernommen, um jedoch kurz darauf wieder auszusteigen. In der Folge geriet die Bäckerei Wiedensohler, aus mehreren Gründen, in Schwierigkeiten – und erklärte sich schließlich für zahlungsunfähig.

Die Angestellten jedenfalls – einige sind schon seit 20, 30 Jahren dort beschäftigt – hatten am Donnerstag einiges zu tun: Teile der Einrichtung mussten weichen, Neues wurde aufgebaut. Die Zahl der Kunden jedoch dieser Tage ist, ebenso wie das Angebot, vor allem im Konditorei-Bereich, überschaubar. Und von Vorfreude auf die Zukunft ist beim Personal auch nicht viel zu spüren. Im Gegenteil: „Die Mitarbeiter wissen nicht, wie es weitergeht“, heißt es aus deren Reihen. Der Grund: Offenbar will Kreibich Backstube und Konditorei nach dem Wochenende schließen und – so ist zu hören – die Groß-Bäckerei Betz ins Boot holen. Damit würde es in Langenau nur noch drei selbst backende Betriebe geben (siehe Infokasten).

Doch was stimmt nun? Welches Konzept verfolgt Kreibich in Langenau? Werden Backstube und Konditorei geschlossen? Was passiert mit den Mitarbeitern in dem Bereich? Trotz mehrmaliger Anfrage der SÜDWEST PRESSE am Donnerstag und Freitag war Kreibich für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der frühere Besitzer, Armin Wiedensohler, will jedenfalls zu der Übernahme, dem neuen Besitzer und dessen Konzept nichts sagen. Der 52-Jährige betont aber, seine Mitarbeiter hätten überwiegend bis zum Schluss mitgezogen. „Dabei waren mir Ausländer immer genauso lieb wie Deutsche“, erklärt der Bäcker, der auch Flüchtlinge beschäftigt hatte. „Mein Beruf hat mir unwahrscheinlich viel Spaß gemacht“, sagt Wiedensohler. Trotz 280 bis 300 Stunden Arbeit im Monat, und das zu unchristlichen Zeiten. Es habe ihm auch Freude bereitet, auszubilden: „Ich hatte immer gute Stifte.“ Und täglich zwölf Stunden mit seiner Frau, einer Konditorin, in der Backstube zu verbringen, sei „einfach herrlich gewesen“, sagt er.

Was er nun mache, wisse er noch nicht, sagt Wiedensohler. Er könne sich schon vorstellen, weiter als Bäcker zu arbeiten. Oder aber etwas ganz Anderes anzugehen, zum Beispiel sich um Behinderte kümmern. Auf jeden Fall hoffe er, dass seine früheren Angestellten nicht die Leidtragenden seiner Insolvenz und deren Folgen sein werden.

Selbst backende Betriebe werden rar
Firmen In Langenau gab es bisher noch vier selbst backende Betriebe: neben Wiedensohler die Bäckereien Wildermuth, Buck und Dausch. Während Lothar Wildermuth in der Kirchgasse in ein paar Jahren einen Nachfolger, seinen Sohn, haben wird, plant Günter Dausch, Ende 2019 in Ruhestand zu gehen. Und mit ihm die Bäckerei in der Lausitzer Straße, die einer Erbengemeinschaft gehört. Für Aufsehen sorgte im November auch Heike Buck. Sie hatte sich damals entschlossen, ihre Bäckerei in der Lange Straße montags vorerst nicht mehr zu öffnen. Aus akutem Personalmangel in der Backstube, wie sie sagte.
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