Navigation und Service

Nachricht

Schüler aus Langenau und Turin entwickeln Theaterstück


Die Lehrerinnen Nadja Schneider von der Friedrich-Schiller-Realschule und Erika Frisch vom Robert-Bosch-Gymnasium Langenau rangen vor und nach der Aufführung am Dienstagabend nach Worten – und dem passenden Superlativ. „Das ist einfach außergewöhnlich“, sagte Erika Frisch schließlich.

Damit meinte sie nicht nur das Endergebnis, sondern auch den „unglaublichen Gruppenprozess“, in dem die rund 30 italienischen und 20 deutschen Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren zusammenwuchsen und das Stück entwickelten. Viel Zeit hatten sie dazu nicht: Vergangene Woche waren die Langenauer nach Turin gereist. Sie diskutierten vier Tage lang – auf Englisch – mit den italienischen Jugendlichen über Themen, Inhalte und die Umsetzung des Stücks. Das lief ziemlich glatt, wie Samira (16) vom Robert-Bosch-Gymnasium berichtete: „Wir dachten alle in die gleiche Richtung.“ Vielleicht, so mutmaßte sie, habe das daran gelegen, dass die Jugendlichen unter sich waren und keine Vorgaben hatten.

Dabei war der Altersunterschied vergleichsweise groß: Die Jüngsten waren 13, die Ältesten 18 Jahre alt. Aber alle Teilnehmer begegneten sich auf Augenhöhe, was Erika Frisch besonders beeindruckte: „Jeder brachte Vorschläge ein und wurde ernstgenommen.“ Die Schüler hätten dabei „viel fürs Leben“ gelernt – zum Beispiel auch, Scheitern als Chance zu betrachten, so die Gymnasiallehrerin. Die Jugendlichen erarbeiteten Szenen zu Themen wie Individualität, Korruption, Frauenrechte und Liebe. Die überzeugende Umsetzung ist auch der Anleitung der Theaterpädagogen und Regisseure Marco Pejrolo und Davide Di Palo zu verdanken, die zuvor mit den Schülern in Langenau und Turin intensiv die Grundlagen der Schauspielerei und Dramaturgie erarbeitet hatten.

Im Stück „Mit unseren Augen“ tickt zwischen den Szenen die Uhr. Mechanisch bewegen sich die Jugendlichen dazu im Kreis. Darin steckte viel Symbolkraft, sagte Wilmar Jakober vom Initiativkreis „8. Mai“, der das vom baden-württembergischen   Kultusministerium und dem Landesverband Amateurtheater geförderte Projekt schon seit vielen Jahren trägt. Zeitdruck bestimme den Alltag – auch den der Jugendlichen. „Ich werde nächstes Jahr wieder mitmachen, wenn der Schulstress nicht zu groß wird“, betonte Finn (13).

Neue Leute kennengelernt

Begeistert waren die Langenauer auch von der Begegnung mit den italienischen Schülern und der Aufnahme durch die Gastfamilien in Turin. „Wir haben viele neue Leute kennengelernt“, hob Kai (15) hervor, und Samira fügte hinzu: „Wir fühlten uns sofort wohl in Italien.“ Er habe sowohl von dem Austausch als auch von der Erfahrung auf der Bühne profitiert, sagte Giovanni (17) aus Turin in ausgezeichnetem Englisch. Eigentlich sei er eher schüchtern und spreche nicht so gerne vor Leuten. Doch bei den Aufführungen habe er gemerkt, dass er den Gedanken ans Publikum ausblenden kann.

Auf jeden Fall werde ihnen der Abschied von der Gruppe am Donnerstag schwerfallen, meinten die Jugendlichen, die für ihre Aufführungen viel Beifall ernteten. Auch von ehemaligen Schülern und Projektteilnehmern, die eigens dazu angereist waren – wie Marco aus Weißenhorn. Die dortige Realschule war bei dem Projekt vor einigen Jahren mit im Boot.

„Das ist einfach eine gute Sache“, sagte der Auszubildende im Blick auf die deutsch-italienischen Proben und „die wichtigen Themen“, welche die jungen Schauspieler aufgriffen.


Weiterer Theaterabend am Freitag

Initiative Seit 2006 gibt es die Theaterprojekte, an denen sich Schulen aus Langenau und Turin beteiligen. Dieses Jahr war die Aufführung eingebettet in die Veranstaltungsreihe „Blickwechsel“ der Initiative Zusammenrücken, die am Freitag, 13. Oktober, einen weiteren Theaterabend veranstaltet. Aufgeführt wird die Fortsetzung des Stücks „Unter einem Dach“. Beginn ist um 20 Uhr im Pfleghofsaal.

Barbara Hinzpeter | 12.10.2017
^
Redakteur / Urheber
Direkt nach oben
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass unsere Dienste Cookies verwenden. Mehr erfahren OK