Der Schulertanz (das heutige Kinderfest)
Aus Uwe Schmidt "Die Geschichte der Stadt Langenau" (Theiss-Verlag):
Der heute noch große Beliebtheit genießende "Schulertanz" oder das Maienfest besitzt eine jahrhunderte alte Tradition.
Vermutlich in Anlehnung an den Ulmer "Berg", ein der Ehre der Schüler gewidmetes Maienfest auf dem Michelsberg, genoss das Langenauer Kinderfest die obrigkeitliche Genehmigung. Erstmals erfahren wir von ihm im Protokoll der Kirchenvisitation von 1535: "Den jungen Kindern, die das Vaterunser nit beten können, hält man einen Tanz". In reichsstädtischer Zeit fand der "Schulertanz" immer am Mittwoch vor Pfingsten statt. Am Morgen des Festtages sammelten sich die Kinder vor dem Schulhaus an der Ach und marschierten mit Musik zur Kirche. Nach dem Festgottesdienst zogen die Kinder, in den Händen geschmückte Birkenbäume, so genannte "Maien", haltend, zum Festplatz auf dem Burghof. Im Schatten der Linden führten dann die Kinder ihre Tänze auf. Vielfach nutzten auch die Erwachsenen die Gelegenheit zum Tanz, an dem sich auch die Bewohner der umliegenden Dörfer gerne beteiligten.
Über Jahrhunderte hielt man am traditionellen Tag und Festplatz fest. Doch im ausgehenden 19. Jahrhundert fand der "Schulertanz" zunächst abwechselnd auf dem Burghof und der Reutte statt. 1894 verlegte de Gemeinderat den Festtag von Mittwoch auf Dienstag vor Pfingsten und setzte als dauernden Festplatz die Reutte fest. 1927 wurde der "Schulertanz" dann auf den Sonntag nach Pfingsten verlegt und schließlich 1952, in der Hoffnung auf besseres Wetter, auf den zweiten Sonntag im Juli.
Nachdem allgemein die Fünftagewoche eingeführt worden war, fand
der "Schulertanz" erstmals 1963 an einem Samstag statt. In eine
kleine Krise geriet das Fest 1977, als ein nur zweijähriger Turnus
gefordert wurde. Doch eine gemeinsame Sitzung von Gemeinderäten, Schulleitern,
Elternbeiratsvorsitzenden, Schulbeirat und Vertretern der Kirchen am 24.
Mai 1977 fand für alle Beteiligten ein zufrieden stellende Lösung,
die dem traditionellen Kinderfest eine Perspektive für die Zukunft
gab. Seither gestalten Vereine, Schulen und Stadtverwaltung das Fest gemeinsam,
das Jahr für Jahr vielen kleinen und großen Menschen fröhliche
Stunden bereitet.
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