„Langenau 2003“ – eine Stadt feiert 1000jähriges Jubiläum
In einer Urkunde mit dem Datum vom 9. September 1003 wurde Langenau zum ersten Mal beim Namen genannt: „Nawe“. Kaiser Heinrich II tauschte den Hof des Bischofs von Freising in Nau gegen Güter bei Roding im Bayrischen Wald.
Langenau kann somit auf eine lange Tradition zurückblicken und die erste urkundliche Erwähnung wurde im Jahr 2003 gebührend gefeiert. Das ganze Jahr fanden zahlreiche Veranstaltungen statt an denen sich viele Vereine und Organisationen beteiligten. Nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart und Zukunft waren Thema dieser Auseinandersetzung und viele Bürgerinnen und Bürger haben sich in die Festvorbereitungen eingebracht.
Die Stadt wollte mit einem außergewöhnlichen Veranstaltungsangebot, das sich an den Besonderheiten der Stadt orientiert, neue Wege gehen. Organisiert und koordiniert wurde das Jubiläum vom Kulturamt, der Regisseur und Autor Dieter E. Neuhaus wurde mit der künstlerischen Leitung beauftragt.
Der erste festliche Schritt in das Jubiläumsjahr
wurde in der Silvesternacht getan. Während es im historischen
Sitzungssaal beim „Bürgertanz im Rathaus“ eher gediegen
zuging, war mit „Hinz und Kunz“ im Pfleghof Musik-Comedy
angesagt.
Trotz Nieselregens trafen sich anschließend mehrere tausend Menschen auf dem Marktplatz. Sternmärsche mit Fackelträgern an der Spitze liefen hierfür aus allen Himmelsrichtungen zusammen.
Ab 23 Uhr wurde dem Besucher auf zwei Bühnen ein festliches Programm
geboten. Den Auftakt machte ein Beitrag des Projektchors, der sich
extra zum Jubiläum formiert hatte. Danach folgten eine Rockband,
eine Volkstanzgruppe und ein Theaterstück mit „Historischen
Bildern“. Die Stadtkappelle spielte ein extra hierfür komponiertes
„Langenauer ZeitZeichen“, das sich wie ein rotes Band
durch das Jubiläumsjahr zieht. Schließlich proklamierte
Bürgermeister Wolfgang Mangold kurz vor dem Theaterfeuerwerk
um Mitternacht das Jubiläumsjahr in historischer Gewandung vom
Balkon des Rathauses.
Ein weiterer Höhepunkt
zum Jubiläum waren das Neujahrskonzert der Verbands-Musikschule
und die „Ausstellung „Weltreligionen – Weltfrieden
– Weltethos“ in der Martinskirche in Zusammenarbeit der
Langenauer Kirchen, der Volkshochschule Ulm und des Kulturamtes. Angesicht
des drohenden Irak-Krieges war das Interesse der Besucher an der von
Prof. Dr. Hans Küng konzipierten Ausstellung sehr hoch.
Vor allem das Begleitprogramm mit fünf Vorträgen, unter anderem mit Pater Anselm Grün, über die Weltreligionen und ein Weltmusikkonzert mit der Gruppe "Aquabella" als Abschluss wurden vom Publikum sehr stark angenommen.
Auf den
eher festlichen Teil folgte ein gesellschaftspolitisch, historischer
Teil. Ein Vortrag zeigte „Langenau im Spiegel seiner Familiennamen“.
Das Pfleghof-Palaver mit der „Grand-Dame der deutschen Politik“
Dr. Hildegard Hamm-Brücher, dem Kulturwissenschaftler Prof.
Dr. Herman Glaser und Benedikt Erenz von der „ZEIT“
beschäftigte sich mit den „demokratischen Wurzeln der
Bundesrepublik Deutschland“.
Einige interessante Aspekte in Punkto Zukunftsentwürfe für das 21. Jahrhundert brachte das Symposium „Die Kleinstadt als Lebensform“, das vom Robert-Bosch-Gymnasium organisiert wurde.
Früh wurde der Plan gefasst,
eine historische Ausstellung zu konzipieren, der von dem Historiker
Dr. Uwe Schmidt umgesetzt wurde. Da wenig städtische Ausstellungsräume
zur Verfügung standen, einigte man sich auf einen historischen
Rundgang mit 14 Tafeln mit Texten und Fotos zu wichtigen Langenauer
Themen wie Stadtentstehung, Kirchen, Vereine, Mühlen, Handwerk
und einzelne Gebäude.
Bei der Eröffnung wurden vier Themen herausgegriffen und einzelne Beiträge szenisch oder musikalisch umgesetzt. Diese Ausstellung ist fest installiert und wird über das Jubiläumsjahr hinaus Bestand haben.
Beim
Bau der Bundesautobahn 7 auf der Gemarkung Langenau waren 1976 /
77 mehrere Fossilfunde entdeckt worden. Der beeindruckenste Fund
war das vollständige Skelett eines Hauerelefantens. Dieses
wurde vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart präpariert
und nun ein originalgetreuer Abguss erstmals in Langenau als Beitrag
des Heimatmuseums zum Jubiläum gezeigt.
Der Vortrag über diese Ausgrabungen sowie die Sonderausstellung stießen auf sehr großes Interesse in der Bevölkerung.
In der Helferhaus-Galerie
der Evang. Kirche und der Volkshochschule boten „23 Künstler
für Langenau“ einen interessanten Einblick in die Vielfalt
der gegenwärtigen Kunstszene und in die diversen Ausdrucksmöglichkeiten.
Alle Künstler stammten entweder aus Langenau oder haben in den
Vorjahren bereits an einer Ausstellung in Langenau mitgewirkt.
Die alljährliche Sonnwendfeier der Naturfreunde wurde dieses Jahr von einem Ballonglühen des Gewerbe- und Handelsvereins ergänzt. Mehrere tausend Besucher ließen sich dieses Spektakel nicht entgehen.
Auch
das Programm für Kinder und Jugendliche konnte sich sehen lassen.
Die Martinskirche mit ihrem 63 Meter hohen Turm ist das Wahrzeichen
von Langenau und schon aus weiter Entfernung zu sehen. Die Evangelische
Kirche ließ von diesem Turm ein Bastelbogen unter dem Motto
„1.000 Martinskirchen“ erstellen.
Für die schon etwas älteren Kinder wurde der Schülerwettbewerb „1000 Jahre Langenau - Schüler entdecken Langenaus Geschichte“ ausgeschrieben. Mit Collagen, Modellen, Texten und Fotos näherten sich die Schüler ihrer Stadt. Geschichte wurde erlebbar. Im Rahmen einer großen Preisverleihung wurden die Wettbewerbsbeiträge anschließend präsentiert.
Unter Anleitung der Stadt, des Wassersportclubs,
des TSV Langenau und des Stadtjugendrings wurde schließlich
von Jugendlichen für Jugendliche ein eigener Tag unter dem Titel
„L.A.mania“ organisiert. Nachmittags ging es los mit Action,
Sports und Fun. Ihr Können durften die Heranwachsenden an einer
Kletterwand, beim Bunjee Run, im Internetcafé, beim Tischkicker-,
Skate- und Inline-Contest oder an der Graffiti-Wand unter Beweis stellen.
Am Abend gab es ein im Pfleghof ein Open-Air Konzert mit fünf
bekannten Bands und einem DJ-Court zum Abtanzen mit fast 900 Jugendlichen.
Die Katholische Kirchengemeinde präsentierte bei einer anderen Gelegenheit einen ökumentischen Familiengottesdienst und ein Konzert mit den Kinderliedermachern Wilfried Röhrig & Hans-Jürgen Mayer.
Wie in jedem Jahr fand am
dritten Wochenende im Juli das traditionelle Kinderfest statt, allerdings im Rahmen des Jubiläums mit einem besonders
schönen historischen Umzug in Anlehnung an die Langenauer Geschichte.
Das Kinderfest war auch der Auftakt zu einer ganzen Festwoche. Monatelang probten 31 Laienschauspieler für sechs Festspiel-Aufführungen im „Hoftheater“ im Pfleghof. Die Premiere am 20. Juli wurde mit großer Spannung erwartet. Für das „Fest-Spiel – Langenau 2003“ wurden schwäbische Geschichten von Hans Sachs aber auch Langenauer Anekdoten aufgegriffen und auf Langenau umgeschrieben.
Erste Anregungen bekam der Autor bereits im Rahmen von Erzählabenden
im Herbst 2002, die eine Einstimmung ins Jubiläumsjahr brachten.
Hierfür wurden ältere Mitbürger und Mitbürgerinnen
als „Urgestein“ eingeladen. In gemütlicher Runde
in der Turmstube und im Heimatmuseum erzählten die Eingeladenen
die ein oder andere Geschichte aus der „guten alten, manchmal
auch schlimmen Zeit“. Diese wurden von dem Regisseur aufgegriffen,
verfremdet und im „Fest-Spiel“ szenische dargeboten.
Ein Schwerpunkt der
gesamten Jubiläumsveranstaltungen war das Bürgerfest vom 25.-27. Juli. In spielerischer und unterhaltsamer Form wurde
an verschiedenen Plätzen die Geschichte der Stadt Langenau
von Bürgerinnen und Bürgern selbst dargestellt. Zahlreiche
Institutionen, Vereine, Gruppierungen und Einzelpersonen beteiligen
sich mit Spezialitäten und Programmbeiträgen. Eine besondere
Freude war der Besuch von rund 250 Gästen aus den vier Partnerstädten.
In sechs Festbereichen wurde Langenau erlebbar - Langenau wie es
einstmals war, wie es heute ist, Geschichte und Geschichten erzählt
- Musik, Gesang, Tanz und Spiel dargeboten. Langenau feierte auf
Straßen und Plätzen. Verkehrte Welt und Wirtshausleben,
Mystik und technischer Fortschritt, Bürgersleut’ und
Landvolk, uralte Zeiten und Frömmigkeit, Transportwesen und
Internationalität wurden erfahrbar.
Zum Abschluss der Festtage erklang dann nochmals das "ZeitZeichen" vom illuminierten Martinsturm.
Ein weiterer Höhepunkt
des Jahres war der 9. September 2003, dem historischen bedeutsamen
Datum der Urkunde. Dieser sehr gelungene Festakt mit dem Thema „Geschichte
als Verantwortung“ mit Dr. Erhard Eppler als Festredner war
eingebettet in die Kulturtage vom 6. bis zum 23. September.
Die Hochzeitsband „besh o drom“ aus Ungarn, die A-cappella-Gruppe
„The Magnets“ aus Großbritannien, das Musik-Kabarett
„Monaco-Bagage“ und der international bekannte Meister
des Akordeons „Richard Galliano“ erfreuten ein breites
Publikum. Eine Fotoausstellung zeigte „Menschen in Langenau“,
die im Rahmen eines Workshops der Volkshochschule erstellt und im
Rathaus präsentiert wurden.
Die Stadtbücherei
und das Kulturzentrum Pfleghof, die 2003 fünfzehn Jahre alt
wurden, steuerten den Kulturtagen einen Tag der offenen Tür
bei. Ein Lese-Konzert der Gruppe „Litera Musica“ und
der schwäbische Liedermacher Bernd Bitterwolf unterhielt das
Publikum im Saal. Am Nachmittag lasen Langenauer Persönlichkeiten,
wie der Feuerwehrkommandant, ein Kinderarzt, ein Polizist, eine
Bäuerin und der Bürgermeister, Kindern vor. Der Schwäbische
Albverein weihte einen „Jubiläumsweg“ ein, der
vor allem die ehemals zahlreichen Mühlen in Langenau zum Thema
hat.
Der historische Markt Anfang Oktober,
den der örtliche Gewerbe- und Handelsverein vorbildlich organisierte,
zog trotz regnerischem Wetter, zahlreiche Besucher an.
Gegen Ende des Jahres wurde es besinnlicher. Im November führte der Projektchor mit großem Erfolg „Die Schöpfung“ von J. Haydn in der voll besetzten Martinskirche auf.
In der Leonhardskirche wurden Drucke zu Holzschnittentwürfen
zum „Basler Totentanz“ von HAP Grieshaber ausgestellt
und daraus szenisch ein „Kleiner Langenauer Totentanz“
entwickelt. Der Sängerbund, die Landfrauen, die Landjugend, der
Gospelchor und Mitglieder des Festspielensembles boten gemeinsam mit
Profikünstlern und Musikern zwei beeindruckende Aufführung.
Viele weitere Veranstaltungen der Vereine rundete das Jubiläumsprogramm ab. So stellt der Posaunenchor, der Landfrauenchor und der Musikverein die diesjährigen Konzerte und Vereinsjubiläen unter das Motto "1000 Jahre Langenau".
Außerdem inszenierte die Evang. Kirche besondere Führungen
in der Martinkskirche, historische Feuerwehrautos gab es am
Landesfeuerwehrtag bei einem Stopp auf dem Marktplatz in Langenau
zu sehen und ein örtliches Kreditinstitut schrieb einen
Fotowettbewerb aus, mit deren Bilder ein Kalender gestaltet
wurde.
Auch in sportlicher
Hinsicht war einiges geboten. DLRG und ASB steuerten einen Familientriathlon
bei, die DLRG führte außerdem die Baden-Württembergischen
Seniorenmeisterschaften im Rettungsschwimmen durch, der Inline-Treff
organisierte zusammen mit der Inline Skate Akademie die diesjährige
Schwaben-Inlinetour von Aalen nach Langenau und der TSV Langenau
bereicherte das Bürgerfest mit einem Stadtlauf.
Beendet wird das ereignisreiche Jubiläumsjahr mit dem Konzert "Aus-Klang" am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Martinskirche und einem ökumenischen Gottesdienst am 31. Dezember in der Kathol. Kirche.
Mit einer beeindruckenden Gemeinschaftsleistung aller Beteiligten wurde die einzigartige Chance genutzt Langenau nach außen darzustellen und die Zusammengehörigkeit sowie die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit unserer Stadt zu stärken.
Weitere Informationen finden Sie hier:
» Fotogalerie vom Kinderfest mit historischem Umzug
Startseite