Langenauer Gedichte - besinnlich und heiter von Karl Häge
Artikel vom Freitag, den 08.02.2008 aus SÜDWEST PRESSE - Ausgabe Ulm
HEIMAT / In seinem Gedichtband hat der 78-jährige Karl Häge auch sein Leben verarbeitet
Die Liebe des Müllers zum Wasser
Der Langenauer Karl Häge, der sich um die Erhaltung des Wasserrads in der Wörth verdient gemacht hat, schreibt seit Jahren Gedichte, die Persönliches, Weises und eine große Liebe zur Heimat ausdrücken. Jetzt hat das Stadtarchiv sie als Band herausgegeben.
HEIKE SCHNEIDER
LANGENAU
"Karl Häge: Langenauer Gedichte - besinnlich und heiter" heißt das fünfte Heft der Reihe "Aufsätze zur Geschichte der Stadt Langenau", die vom Stadtarchiv herausgegeben wird. Die 52 Gedichte, von denen viele der Stadt Langenau gewidmet sind, kommen zum großen Teil scheinbar unbeschwert daher. Doch häufig verbirgt sich dahinter eine Tiefgründigtkeit - und ein Stück Lebensweisheit des 78-jährigen Karl Häge. So schafft er es, aus der Suche nach einer Ordnerklammer ein Gedicht zu reimen über den Wert des Alten, Bewährten, eine Aufforderung, Maß zu halten und Geduld zu üben. All das mit einem Augenzwinkern, wie man es von einem ganz Großen kennt. "Wilhelm Busch klingt manchmal ein bisschen mit", bekennt sich der 78-Jährige zu seinem Vorbild.
Der gebürtige Langenauer hat das Schreiben in den Genen, glaubt er. Aber es gab auch eine Reihe von Schicksalsschlägen, die dazu beigetragen haben, dass er sich diesem Hobby immer intensiver gewidmet hat. Sie haben aber auch dazu beigetragen, dass er die Welt mit anderen Augen sieht, Kleinigkeiten zu schätzen weiß und gelernt hat, nicht alles haben zu können. "Zufriedenheit muss man lernen, die fällt einem nicht in den Schoß", sagt Häge, der schon als junger Mann viel Zeit in Kliniken verbringen musste. Dort schrieb er Gedichte, um seine missliche Lage und die fremden Eindrücke zu verarbeiten. Doch am liebsten beschreibt der gelernte Müllermeister das, was er am meisten liebt: die Heimat mit ihrem Wasserreichtum. In der Sixen- und Ostermühle hat er seinen Beruf erlernt, musste die Heimat aber auf der Suche nach Arbeit verlassen. 1959 kehrte er nach Langenau zurück. Die Trennung habe dazu beigetragen, eine besonders intensive Verbindung zur Heimat aufzubauen. Die schlägt sich in zahlreichen Gedichten nieder, die die Stadt und ihre Feste auf ernsthafte und heitere Art in allen Facetten beschreibt. Das Wappen, die Martinskirche, das Hörvelsinger Ofenloch, Jubiläumsjahr, Achhockete, Königsschießen oder der Flohmarkt im "Roten Löwen" - all das hat der Hobbydichter thematisiert.
Aber auch etwas anderes haben die Langenauer Karl Häge zu verdanken: Er hat sich mit aller Macht dafür eingesetzt, dass die Stadt ihr Wasserrad erhält. Das alte Rad der Beinesen-Mühle "damals ein Schrotthaufen", erzählt Häge, wurde unter seiner Leitung restauriert und beim Stadtpark "Wörth" 1984 aufgestellt. Auch davon handeln einige Gedichte.
Schließlich gibt es eine Reihe von Gedichten, die als Lebenshilfe verstanden werden können. Sie sind geprägt durch persönliche Erlebnisse, wie in einem seiner Lieblingsgedichte "Das Schicksal", in dem Karl Häge auffordert, auch in schwierigsten Situationen nicht den Mut zu verlieren. Der Schlussvers: "Mit Mut, Geduld, Zufriedensein - wird Not und Sorge wieder klein."
Startseite