Yaron Herman begeistert im Pfleghof
Mit seinem kraftvollen, ideenreichen Spiel faszinierte der junge Pianist Yaron Herman jetzt sein Publikum im Langenauer Pfleghof.
Ein Konzert mit Yaron Herman bildete den Auftakt zu einer kleinen Klavierreihe im Frühjahrsprogramm des Langenauer Pfleghofs, in der noch Joachim Kühn am 27. April und Richie Beirach im Duo mit Gregor Hübner am 20. Mai folgen werden.
Yaron Herman, 1981 in Tel Aviv geboren, heute in Paris wohnend, gehört seit einigen Jahren zu den europäischen Jungstars, die für Furore sorgen. Im nur zur Hälfte gefüllten Saal in Langenau präsentierte der Pianist teils Eigenkompositionen und Improvisationen, denen noch ein Titel fehlt, teils Fremdmaterial aus Pop, Jazz und jüdischer Volksmusik.
Auf Interpretationen von klassischem Material verzichtete er, dafür bevorzugte er an diesem Abend die schnellen Stücke, wobei er den kräftigen Anschlag liebte. Durchweg begeisterte er mit musikalischem Witz und Ideenreichtum.
Immer wieder ließ Herman alle Facetten seines Klavierspiels aufleuchten. Aber nie bot er deswegen nur blasses Technikgeprotze, er blieb immer musikalisch höchst anspruchsvoll. Denn die Art, wie er mit einem Motiv spielte und es laufend veränderte, wie aus seinen großartigen Improvisationen sich langsam das Thema wieder herausschälte, waren eine Klasse für sich. Stilistisch zeigte er zwar keine Bezüge zu Keith Jarrett, aber in der Gestik ähnelte er ihm sehr, wenn er beispielsweise seinen Körper an die Tastatur drückte und sich selbst mit intensivem Brummeln begleitete.
Eibenso baute Herman in sein expressives Spiel auch weitere Klangfarben ein, wie zum Beispiel mehrere unterschiedliche Hotelrezeptionsklingeltöne - etwa in seiner Version von Nirvanas "Heart-Shaped Box". Und trotz seines kräftigen Spiels gelang es ihm in "Moon River", den melancholischen Charakter des Stückes zu bewahren. Mit drei Zugaben verabschiedete sich Yaron Herman von seinem restlos begeisterten Publikum.
Südwest Presse: Montag, 29.03.2010
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