Feingeist Wiglaf Droste auch mal unelegant deutlich
"Auf sie mit Idyll" ist der Titel des neuen Buchs von Wiglaf Droste. Im Pfleghof in Langenau las und sang er - nicht nur Texte aus diesem Werk.
Feministinnen, die einst vor Lesungen mit Fäkalien auf ihn gewartet haben, muss Wiglaf Droste nicht mehr fürchten. Die werben und schreiben inzwischen lieber für die Bildzeitung, die nicht "Boulevard sondern Gosse ist", meint Droste, oder wie sein Freund Eckhard Henscheid gesagt habe: "Pissrinne". Es gebe Dinge, da müsse man "unelegant deutlich werden."
Unelegant wurde Wiglaf Droste in seiner Lesung mit Blueseinlagen immer wieder, wenn er sich im Pfleghof fast zwei Stunden lang als Grobian gerierte. Seine Gegner im Feld des laufenden Schwachsinns sind schnell ausgemacht: zu Guttenberg, Alice Schwarzer oder Till Schweiger, um nur einige zu nennen. Letzterer rede gerne davon, dass er mit Brat (Pitt) oder Quentin (Tarantino) auf Augenhöhe spreche, dabei aber nicht merke, dass er auf Augenhöhe allenfalls ein Brett vor dem Kopf habe.
Der Zeitgeist ist des Satirikers Futter. Als solcher kommt Wiglaf Droste an "KT zu Guttenberg", an Veganern wie Fastfood-Liebhabern oder am Papst und dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen nicht vorbei. So sei es ein Skandal, dass sich Benedikt auf der 55-Cent-Briefmarke, die nicht selbstklebend sei, hinten ablecken lasse. Oder: "Was 85 Millionen Araber mit Mubarak schafften, könnten doch auch 80 Millionen Deutsche mit Merkel schaffen."
Für derlei Art Witze bekam der Autor allerdings nicht den Ben-Witter-Preis oder den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis zugesprochen. Ein im besten Sinne komischer Dichter wird der 1961 in Herford geborene Wiglaf Droste, wenn er etwa sein Leid mit Gerüstbauern klagt. Dabei überkommt ihn ein liebevoller Hass, der nichts an Erfahrungswirklichkeit ausspart, aber eben doch ambivalent, also so zynisch wie melancholisch ist. Das gilt für "entmündigungsreife Rollatorengeschwader" genau so, wie für die "Fitnessrentner auf Hochleistungsrädern", die eine "hochtrainierte Virilität" zeigen, "die niemand mehr von ihnen möchte, auch nicht geschenkt." Hier wird das Drama des Zeitgeists, das immer eine wirtschaftliche Komponente hat, überdeutlich.
Natürlich ist das alles auch zynisch, aber nicht wegen des Geschriebenen, sondern weil die Wirklichkeit so ist.
Info Wiglaf Droste: Auf sie mit Idyll. Edition Tiamat, 207 S., 14 Euro.
Autor: Otfried Käppeler
Südwest Presse: Samstag, 23.01.2010
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