PFLEGHOF / Das Theater-Solo - Putzige Kalauer
Das Ein-Mann-Theater "Ich, Irmgard Knef" des Berliner Schauspielers und Autors Ulrich Heissig war im Langenauer Pfleghof nur ein putziger Kalauer-Abend.
ULI LANDTHALER
Was hätte das für eine subtile Kabarett-Show werden können! Die Idee des Theatermachers Ulrich Heissig ist nämlich exzellent: Man parodiere einen Star, indem man eine Zwillingsschwester erfindet, die als Kopie der echten Diva auf der Bühne steht und aus dem Nähkasten des Showbiz-Daseins plaudert. Auch die Optik hierzu ist dem Berliner prächtig gelungen. Mit klobiger 70er-Jahre-Sonnenbrille und dekadenter Fuchsfell-Stola gab er eine doppelbödige Ersatz-Knef wie aus dem Bilderbuch. Mit dem Habitus der Knefschen Redensarten ("Kindchen. . .") und der Räucherstimme ergab das ein astreines Hildegard-Feeling im Pfleghofsaal.
Doch die Enttäuschung folgte auf dem Fuß - jedenfalls für diejenigen, die das angekündigte kabarettistische Theater erwartet hatten. Irgendwo scheint dem Schauspieler, Autor und Regisseur in Personalunion beim Abarbeiten dieser Aufgaben die Luft ausgegangen zu sein. Beim Schreiben sind ihm nur noch ein paar spaßige Chansonzeilen eingefallen. Seine Monologe sind fast gänzlich oberflächlicher Klamauk. Heissig hat es versäumt, sich durch die Biografien, Interviews und Dokumentationen über den Showstar Hildegard Knef zu wühlen, um daraus ein satirisches Kabarett-Theater zu extrahieren.
Ein, zwei Mal trifft er die Exzentrik der Knef. Gleich zu Beginn zeigt er sie als beleidigte Diva, die lamentiert, dass sie nach dem Krieg als "einzige deutsche Film-Nachwuchshoffnung" in Hollywood sitzt und dort keine Beschäftigung hat. Dahinter können doch nur die bösen Hollywood-Manager stecken, die sie aus Berlin weg lockten, um die Wiedergeburt des deutschen Kinos zu verhindern. . .
So geistreich hätte die Knef-Show weiter gehen dürfen. Ging sie aber nicht. Zwei Stunden kalauerte sich Heissig fortan mit billigstem Wortwitz durchs Programm. Am originellsten war noch das Wortspiel mit Paul von Schell. So hieß der Lebensgefährte der Original-Knef - und weil die erfundene Schwester die Rolle des stets vernachlässigten Anhängsels einnimmt, bleibt ihr nur ein Ersatz-Paul, der als Tankwart bei der Firma mit der gelben Muschel arbeitet und deswegen genauso heißen darf. Nett verpackte Belanglosigkeiten also, die mit der Gestalt der Knef im Grunde nichts zu tun haben. Dies kam zwar durchaus an beim zahlreich erschienenen Publikum im Pfleghofsaal, solches Gealber aber ist nun wirklich kein "kabarettistisches Theaterstück".
(Südwest Presse: Montag 01.03.2004)
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