Schwachsinn mit Methode
Wer sich nach der mongolischen Hauptstadt nennt, muss als Künstler schräg drauf sein. Ulan & Bator stellten das im Pfleghof unter Beweis.
"Wenn man Ohren sehen kann, warum kann man dann Augen nicht hören?" Oder: "Rauchte Willy Brandt mit Günter Grass?" Zugegeben, auf solch hintersinnige Wortspielereien muss einer erst einmal kommen. Die beiden Schauspieler Sebastian Rüger und Frank Smilgies haben genau das seit nunmehr zehn Jahren zu einem ihrer Markenzeichen gemacht: nämlich vordergründig Schwachsinniges mit Methode und oft viel Hintersinn von sich zu geben. Und das durchaus mit großem Erfolg.
In diesem Jahr wurden Ulan & Bator mit dem Deutschen Kleinkunstpreis (Sparte Kleinkunst) ausgezeichnet. Am Freitagabend gastierte das Duo im Langenauer Pfleghof. Womit Edwin Köperl, der fürs Programm verantwortliche Kulturamtschef der Stadt Langenau, abermals einen guten Riecher bewiesen hat. Im Februar gastierte mit Frank Lüdecke der frischgebackene Kleinkunstpreisträger in der Sparte Kabarett. Für eine kleine Bühne mit maximal 200 Plätzen ist so etwas schon eine tolle Leistung.
Indes: Das kabarettverwöhnte Publikum - diesmal nicht ausverkauft - dürfte an der einen oder anderen Stelle vielleicht seine Probleme mit Ulan & Bator gehabt haben. Die Mischung aus Sprechtheater, Comedy, Musik und Tanz ist schon arg gewöhnungsbedürftig. Erst recht das Outfit der beiden erwachsenen Männer: Wenn sich diese seriös anmutenden Anzugträger bunten Bommelmützen überstülpen und dann wie erwachsene Teletubbies aussehen, mutieren sie zu zwei ziemlich schrägen Vögeln, die fortan nur noch Schräges von sich geben: "Ich wär so gern ein Hund, aber leider riech ich nach Wurst."
Zwei Stunden lang ziehen Ulan & Bator irre Grimassen, hüpfen und purzeln über die kleine Bühne, klopfen wie wild auf ihren Stühlen herum. Mehr an Requisiten brauchen sie nicht. Und sie erweisen sich an vielen Stellen als Meister der Improvisation. Minutenlang lassen sie sich über ein grünes Hinweisschild über der Bühne aus, worauf ein grünes Männchen mit Pfeil in Richtung Toilette weist. "Ein Indianer", sagt Ulan zu Bator - oder Bator zu Ulan? Wer wer ist, wird so klar nämlich nicht.
Autor: Edwin Ruschitzka
Südwest Presse: Montag, 11.04.2011
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