Jazz / Das Tord Gustavsen Trio im Pfleghof Langenau
Die schlichte Schönheit der Melodien
Im gut besuchten Langenauer Pfleghof gastierte das norwegische Tord Gustavsen Trio. Sein eingängiger kammermusikalischer Jazz begeisterte das Publikum.
WOLFGANG HÄBERLE
Man kann schon fast von einer Reihe sprechen, wenn man sieht, wie viele Jazzmusiker aus Norwegen in den letzten zwei Jahren in Langenau gastierten: Norwegian Brass, Ketil Bjornstad, Kari Bremnes, Rebekka Bakken. Und nun der Pianist Tord Gustavsen, der auch erst im Rahmen des seit einigen Jahren anhaltenden Booms für skandinavischen Jazz bekannt wurde.
Als langjähriger Begleiter der Sängerin Silje Nergaard wurde man in Mitteleuropa auf ihn aufmerksam, aber erst nachdem er 2003 seine erste CD unter eigenem Namen veröffentlicht hatte, trat er aus dem Schatten von Nergaard hervor.
Der 1970 geborene Pianist aus der Nähe von Oslo hat an der Universität Trondheim studiert, wo er auch seine heutigen Begleiter kennen gelernt hatte. Das Trio, das seit etwa fünf Jahren existiert, spielte ausschließlich Kompositionen von Gustavsen, der in seinem Spiel von Bill Evans, aber insbesondere, von Keith Jarrett beeinflusst wird.
Seine Kompositionen sind geprägt von der Schlichtheit und Schönheit der Melodien, dem exzellenten Aufbau, so dass die Grenze zwischen Improvisation und Durchkomponiertem, manchmal möchte man schon von Konstruiertem sprechen, verschwindet.
Die meiste Zeit strömen die Stücke sanft und leise vor sich dahin, oft wird mit fast schon minimalistisch zu nennenden Mitteln gearbeitet, um die weiten, transparenten, manchmal melancholischen, Klangräume zu erschaffen.
Aber wenn dann doch etwas heftiger gespielt wird, sich das Tempo etwas steigert und auch die Lautstärke anhebt, ja sogar ein Stück auch einen hymnischen Charakter annimmt, schimmert sofort auch Boppiges, Bluesiges oder auch mal Free-Jazziges hindurch.
Das Gerüst für Gustavsen lieferten die ruhigen Basslinien, die Harald Johnsen dezent dahinzupfte, und der fein gewobene Rhythmusteppich des erstklassigen Jarle Vespestad, der meist nur mit den Besen die Becken und Trommeln streichelte.
Schwelgen im Wohlklang
So entstand eine ganz eigene, unverwechselbare und melodienseelige Atmosphäre, in die der Zuhörer abtauchen konnte, zum Relaxen und Schwelgen im Wohlklang. Aber dies barg auch die Gefahr der Übersättigung, denn nicht jeder ist in der Stimmung, so viel Harmonie, dazu noch ohne Pause, zu vertragen. Mit mehreren Zugaben für das begeisternd applaudierende Publikum verabschiedete sich eine perfekt agierende Truppe.
Südwest Presse: Montag 17.09.2005
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