MUSIK / Das Tomasz Stanko Quartet brillierte in Langenau
Mit allen Jazzwassern gewaschen
Der polnische Trompeter Tomasz Stanko spielte in Langenau tiefschwarzen Jazz und wunderbar melancholische Balladen mit seinem locker aufspielenden Quartett.
UDO EBERL
In Polen ist Tomasz Stanko, eigentlich ein eher kleines und schmächtiges Männlein, einer der ganz Großen. Mit seinem charakteristischen, relativ dunkel gefärbtem Trompetenton ist der 62-Jährige, der eine ganze Hut- und Kappenkollektion sein eigen nennt, bereits vor Jahrzehnten zum musikalischen Botschafter seines Landes geworden.
Ebenso wie Miles Davis, mit dem er bisweilen verglichen wird, durchschwamm er in den Jazzkellern seiner Heimat die verschiedensten Musikströmungen, ließ sich aber nie vereinnahmen, sondern feilte weiter an seinem warmen Sound und der blitzsauberen Technik.
Und Glück hatte der Tüchtige zudem, denn er traf vor zehn Jahren auf ein hochbegabtes Trio mit 18-jährigen Jazz-Youngstern, die zu dieser Zeit von Keith Jarrett und dessen Trio inspiriert wurden. Der Zauber des Jazz einte die Nachwuchscrew und den Startrompeter. Was man nun seit ein paar Jahren auf den europäischen Bühnen von diesen Vier zu hören bekommt, ist allererste Sahne.
Nach seiner beseelten CD "Soul of Things" hat Stanko mit seinen Jungs auf dem ebenfalls beim Münchner Label ECM erschienenen Album "Suspended Night" in feinster Qualität nachgelegt. Zeitloser Jazz ist das, klassisch und doch ewig jung. Die 130 Zuhörer im gut gefüllten Langenauer Pfleghofsaal bekamen das zu hören, wenn auch Stanko in der ersten Nummer noch etwas wackelig unterwegs war. Doch bereits in der ersten Ballade stimmte der Ansatz. Weich und warm, trefflich mit Klangfarben changierend, spielte Stanko sein Instrument, eingebettet in mit viel Finesse kultivierte Arrangements. Doch Stanko konnte auch förmlich explodieren, verblüffte mit tonalen Sturzbächen und lieferte sich mit dem Drummer Michal Miskiewicz Duelle. Da knisterte es, denn dieser Trommler hat es drauf. Genauso wie der schon mit allen Jazz-Wassern gewaschene Kontrabasser Slawomir Kurkiewicz.
Zum Herzstück des Quartetts wurde allerdings der Pianist Marcin Wasilewski, der alle Trio-Sounds von Cool Jazz bis Bebop beherrscht und bereits mit eigener Note ausfüllen kann. Der Kleine mit der Nickelbrille sorgte immer wieder für kleine Jazzwunder voll Rasanz und Hingabe. Die Tasten sind seine Leidenschaft, sein alles und eine reine Trio-Scheibe wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Südwest Presse: Samstag 03.04.2004
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