Nur ein verbales Ballgeschiebe
Der schwäbischen Seele will das Theater Lindenhof mit "Schiller, Klinsmann und mir" auf die Spur kommen. In Langenau gelang das nicht.
ULI LANDTHALER
Klinsmann als Philosoph? Doch, immer wenn er Pressekonferenzen gibt. "Ballack spielt nicht, die Wade ist noch nicht da, wo sie hin muss." Ein tiefsinniges Sprachbild ist das, erst recht, wenn Kaiser Franz nebendran sitzt und ergänzt, dass man so eine Wade nicht auf die leichte Schulter nehmen darf.
Es gibt Kabarettisten, die aus solchen Steilvorlagen elegante Sololäufe mit spektakulärem Abschluss machen. Doch bei Bernhard Hurm und Uwe Zellmer vom Theater Lindenhof handelt es sich um Schwaben. Der eine, Hurm, war bei der Vorstellung von "Schiller, Klinsmann und mir" im Langenauer Pfleghof erkältet, lief aber trotzdem auf, um mit Routine und einer komödiantischen Ader über die vollen 90 Minuten zu gehen und dabei einen professionellen Part zu spielen.
Der andere Akteur, Zellmer, saß auf dem Sofa: Er machte den Stichwortgeber, der dem agilen Hurm die Bälle zuspielt. So wurden außer den Klinsmannschen Fußball-Philosophien auch echte Dichter und Denker aus dem Land mundartgerecht aufbereitet. Sinnsprüche etwa aus der Feder des Mundartautors Manfred Hepperle, dem erklärten Vorbild von Hurm. Doch damit geriet der Ausflug in die schwäbische Seele immer mehr zum bloßen Rezitations-Abend, in dessen Verlauf man sich fragte, warum die Langenauer nicht gleich den Herrn Hepperle auf die Bühne holten. Das wäre lustiger geworden als das verbale Ballgeschiebe des Lindenhof-Teams, das seine Kreativabteilung offensichtlich in der Winterpause zurückgelassen hatte und nun versuchte, mit Uralt-Bonmots zu punkten. Beckenbauer: "Die Schweden sind keine Holländer, das hat man genau gesehen."
Auch ein Spickzettel war im Spiel, aber der gehörte Zellmer, der sonst offensichtlich seinen wenigen Text nicht gewusst hätte. Dem Mann würde man gerne ein verschärftes Trainingslager verordnen. Der Fairness halber hier noch eine seiner wenigen Kombinationen, die den Applaus der Galerie verdienten: "Die Katastrophe von dem Klima - ist für den Württemberger prima." Sprichs und verweist auf sein Gläschen Trollinger, dem ein paar Sonnenstunden zum geschmacklichen Durchbruch verhelfen könnten.
(Südwest Presse: Montag 18.02.2008)
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