Mit souveräner Leichtigkeit
Von wegen nur Tango: Das war eine reizvolle Mischung aus Tango, Jazz und Pop, die das Trio Tango Transit im Langenauer Pfleghof bot.
Spätestens nach der ersten Viertelstunde dürften einige der Zuschauer die brave Bestuhlung des Langenauer Pfleghofsaals als arge Gängelung empfunden haben. Denn zur Musik von "Tango Transit" möchte man nicht bloß dezent mit der Fußspitze wippen. Das Trio schafft es mit souveräner Leichtigkeit, Tango und Jazz (mit Anklängen von Funk und Pop) zu einem mitreißenden, extrem unterhaltsamen und dabei wunderbar vielschichtigen Cocktail zu mixen.
Kopf der Band ist Martin Wagner, der mit seinem Akkordeon eine neue Ära dieses klischeeverklebten Instruments einläutet. Aus seiner Feder stammen alle Stücke, die er gemeinsam mit Hanns Höhn (Kontrabass) und Andreas Neubauer (Schlagzeug) kongenial arrangiert hat. Alle drei Musiker sind ausgewiesene Profis und über jeden technischen Zweifel erhaben - aber das allein macht noch keine musikalische Magie. Die entsteht bei Tango Tansit aus der hör- und spürbaren Emotionalität, die zwischen krachiger Kirmes, tango-typischer Dunkelfarbigkeit und feinstfühligen Zehenspitzentänzen oszilliert. Und zwischendurch, wenn die drei wie losgelassen abgehen wie Schmidts Katze, denkt man: Hey, das ist ja reinster RocknRoll! Haut direkt ins Sonnengeflecht und flaniert nicht jazzig-distinguiert daran vorbei.
Auch die ruhigen Momente sind grandios: Andreas Neubauer klopft sanft mit den Fingern auf die Snaredrum, Hanns Höhn entlockt seinem ehrfurchtgebietenden Bass schräge Töne wie aus einer Cartoon-Vertonung und Martin Wagner entführt die Zuschauer einen kurzen Moment lang in einen Tangosalon in Buenos Aires mit all seiner morbiden Schönheit und Traurigkeit.
Für solch ein hochklassiges Konzert hätten sich die Veranstalter, der Ulmer Verein "Kunstwerk" und das Kulturamt Langenau, sicher ein paar mehr Zuschauer als die rund 50 gewünscht, die den Weg in den Pfleghofsaal gefunden hatten.
Südwest Presse: Samstag,19.01.2010)
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