Streicher-Storys aus New York und Ligeti pur
Halb Streichquartett, halb Rockband - so war für das Konzert des Sirius String Quartet im Langenauer Pfleghof geworben worden. Was die 30 Besucher dann allerdings zu hören bekamen, war ein intensives Konzentrat Neuer Musik und innovativer Kammermusik.
Im ersten Teil des Abends glänzten die Vier unter anderem mit György Ligetis Streichquartett Nr. 2, das selbst für große Virtuosen eine immense Herausforderung ist. Hier wurden die mikropolyphonen Felder souverän beackert und die rhythmischen Herausforderungen souverän gemeistert. Ein Ohrenschmaus kammermusikalischer Komplexität. Ein großer Wurf des New Yorker Quartetts.
Und wo blieb der Rock? Der schimmerte meist in den Soli der Musiker durch. Etwa im Duett des furios und mit bewusst trockenem Ton über die Saiten fliegenden Fung Chern Hwei, der in Big Apple zu den neuen Überfliegern gehört, und des Cellisten Jeremy Harmann. Letzterer konnte später noch mit einem rhythmisch vertrackten Alleingang überzeugen. Und natürlich blitzten auch beim Violinisten Gregor Hübner und Ron Lawrence an der Viola jazzige Elemente nicht nur hervor.
Mit "Dispersion of Seeds", dem Streichquartett aus der Feder des Gitarristen Elliott Sharp, lebten die Musiker die dynamischen Höhen voll aus und nutzten den improvisatorischen Freiraum als eingespieltes Kollektiv. Nein, leichte Kost wollte das Sirius String Quartet seinem Publikum wahrlich nicht servieren. Gut so. Auch die "New York Suite" vom aktuellen Album "Cityscapes", eine in Noten gefasste Reise zu Gregor Hübners wichtigsten Orten in seiner derzeitigen Heimatstadt, überraschte bisweilen mit neutönerischen Untiefen. In erster Linie wurde man allerdings von mitreißender und vielschichtiger Schmelztiegel-Musik in den Sog der Metropole gezogen. Kammermusik, Gypsy-Rasanz, Jazzrock-Ästhetik und vieles mehr harmonierten hier ganz wunderbar. Das Publikum reagierte begeistert. UDO EBERL
Südwest Presse: Freitag, 08.10.2010
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