KONZERT / Fidele Saitensprünge
Auf der Suche nach dem Prinzen
Das Damen-Quartett "Salut Salon" sorgte im ausverkauften Pfleghof-Saal Langenau für Hochstimmung: erstklassige Salonmusik von Brahms bis zufrechen Chansons.
CHRISTA KANAND
Sie passen in keine Schublade, sind hier im Süden noch ein Geheimtipp und haben das Zeug zum Kult-Ensemble: das Damen-Quartett "Salut Salon", die in der Klassik verwurzelte etwas andere Girlgroup aus Hamburg. Aber Hallo! Jung, hübsch, sexy im "kleinen Schwarzen" zeigen die hochhackigen Spaghettiträgerinnen im Langenauer Pfleghof viel Bein, Grips und Humor. Die originelle Mischung aus gewitzter Moderation, prima Stimmen und virtuosem Instrumentalkönnen macht den flotten Vierer von der Waterkant zum leuchtenden Tupfer am Musikhimmel.
Das Auge hörte mit bei dieser Kombination aus Konzert und Musikkabarett, aus Plüsch und Pep. Schon im Eröffnungsmedley aus moll-geschwängerten russischen Melodien und Brahms Ungarischem Tanz Nr. 5 stellten die beiden Geigerinnen mit Ganzkörpereinsatz, Virtuosität und schmachtendem Ton André Rieu und Co. in den Schatten. Schnell erreichte das Stimmungsbarometer im ausverkauften Pfleghof-Saal Langenau ein Dauerhoch.
Seit 2003 haben sich die klassisch ausgebildeten und Musikpreis-gekrönten Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried (auch Gesang), Christine Schütze (Klavier) und Gesa Riedel (Cello) der Salonmusik verschrieben. Knackig in eigene Arrangements verpackt und auswendig gespielt, füllten ihre kreuzfidelen Saitensprünge aus Klassik-Hits und Gassenhauern der Vorkriegszeit schon die Hamburger Musikhalle mit 1200 Zuhörern. Selbst im Reichstag spielte das Damenkränzchen, bei dem diesmal anstelle von Gesa Riedel (schwanger und Schulterbruch) die Cellistin Pei-Wen Chen aus Taiwan sich als Biene Maja auf Rimskij-Korsakows "Hummelflug" stürzte.
Zwischen Tango, Strauß-Polka und virtuosen Hexenritten auf Tasten und Saiten träumte Iris Siegfried von Zarah Leanders Waldemar. Im schrägen Hollaender-Song outete sich die diplomierte Rechtsanwältin gar als "Die Kleptomanin". Männermordende Blicke, Verkleidungsfirlefanz bei Titeln der aktuellen CD "Was kann das Herz dafür" sowie der mal charmante, mal stutenbissige Flirt mit dem Publikum sorgten auf und vor der Bühne für Lachtränen.
Beim Heidenspaß, wenn acht Hände halsbrecherisch verknäult sogar bäuchlings auf dem Flügel spielen, war das Publikum total aus dem Häuschen. Moment mal, fand dieser Auftritt nicht am 11. 11. statt? Ja, richtig: ein toller Auftakt zur fünften Jahreszeit.
Südwest Presse: Montag 14.11.2005
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