Ein Gitarren-Star springt für den anderen ein
Das war eine Überraschung: Statt Stochelo Rosenberg begeisterte Biréli Lagrène das Publikum im ausverkauften Langenauer Pfleghof.
Bis zum Nachmittag war die Welt für den Langenauer Kulturamtsleiter Edwin Köperl noch in Ordnung. Das abendliche Konzert des Rosenberg-Trios war ausverkauft. Dass diese drei Ausnahmemusiker, die auch den Madison Square Garden füllen, im kleinen Pfleghof Station machen sollten, war sowieso eine kleine Sensation - und eigentlich nur dem Ruf zu verdanken, den sich der Pfleghof in den vergangenen Jahrzehnten bei den Jazz-Größen erarbeitet hat.
Aber dann um 16 Uhr die schlechte Nachricht per Telefon: Sologitarrist Stochelo Rosenberg kommt nicht. Sein Sohn habe einen Unfall gehabt, der Vater werde zuhause gebraucht. Aber Rosenberg hatte schon für Ersatz gesorgt, jenen Gitarristen für Langenau verpflichtet, der einst ebenso wie Rosenberg als Gitarrenwunderkind Furore gemacht hatte, als legitimer Nachfolger Django Reinhardts gehandelt wurde und schon als Zwölfjähriger seine erste Platte aufgenommen hatte: Biréli Lagrène, der sich flugs ins Auto setzte, von Straßburg nach Langenau eilte und dort gerade rechtzeitig eintraf. Und so hielt sich die Enttäuschung der Pfleghof-Besucher doch sehr in Grenzen. Im Gegenteil: Lagrène, der nicht nur im Gypsy-Swing seine Meriten hat, sollte mit den Rosenberg-Cousins Nonnie am Bass und Nousche an der Rhythmusgitarre spielen? Das versprach eine interessante Session zu werden. Und das wurde es auch.
Denn da trafen drei Musiker aufeinander, die sich auf der einen Seite respektierten und unterstützten, auf der anderen Seite aber auch ausloten wollten, wo die Grenzen liegen. Grenzen aber kennt Biréli Lagrène überhaupt nicht - auch deshalb, weil der Gitarrist in modernen Spieltechniken jenseits des Gypsy-Swings firm ist. Und die Rosenbergs? Die ließen sich mitreißen, schäkerten verschmitzt mit dem Solisten und machten das, was sie zusammen mit ihrem Cousin Stochelo Rosenberg so groß gemacht hat: herrlich swingen. Ein angenehm überraschender Abend.
Autor: Helmut Pusch
Südwest Presse: Freitag, 18.02.2011
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