Stumme Dialoge mit viel Witz
Das Schweizer Kabarett-Duo "Ohne Rolf" im Langenauer Pfleghofsaal
Blättern statt sprechen beim Gastspiel des Duos "Ohne Rolf" im Langenauer Pfleghof. Die Kabarettisten hatten die Pointen auf Plakate geschrieben.
STEFAN LOEFFLER
Als erster Satz stand in schwarzen Lettern auf einem weißen Bogen Papier geschrieben: "Was hat das wohl zu bedeuten?" Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Vielleicht sind wir in eine Falle geraten?" Bei Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg, dem Schweizer Duo "Ohne Rolf", herrschte Sprachlosigkeit auf der Bühne.
Den Großteil des insgesamt 90-minütigen Programms verbrachten die beiden Eidgenossen hinter ihren Plakatständern, um unaufhörlich weitere geschriebene Sätze zu präsentieren. Schnell entwickelte sich daraus ein mitunter witziger und origineller, aber immer stummer Dialog. Mitunter tauchte auch die entfremdete und leicht verwirrende Redewendung auf "Schweigen ist Silber, Reden ist Gold".
Und auch wenn sich das Publikum wohl zu Beginn der Show nicht so recht vorstellen konnte, wie die zwei Kabarettisten diese kuriose Form von Kleinkunst über die Runden bringen werden, ohne dass es zu ermüdend wird, war im fast ausverkauften Saal des Langenauer Pfleghofes nie etwas von Langweile zu spüren. Viel zu gespannt warteten die Gäste auf die nächste Pointe des fantasiereichen Duos.
Und die Komiker vermochten mit ihrem Blätterwald noch vielmehr anzufangen. Teilweise flogen auf der kleinen Bühne sogar die Fetzen. Nach dem Motto "Mir liegen die Worte auf der Zunge" wurde da schon einmal Papier
verzehrt, Papierknäuel dienten mitunter als Kopfkissen und kleine Schnipselchen flossen als Tränen. Und um die Gedanken des Publikums zu lesen, gingen sie schon einmal mit einem Kescher durch die Reihen.
Letztendlich gings um die Frage: Wie wird man stimmberechtigt? Und sind die Gedanken wirklich so frei?
Das Duo "Ohne Rolf" hatte auch ohne Worte so einiges zu erzählen. Unangenehm und schräg wurde es nur, wenn es sich selbst für kurze Augenblicke der Sprache bediente. Sei es durch eine aggressiv vorgetragene
Musiknummer oder die Stimme eines Wächters, die beängstigend aus kleinen Radios dröhnte.
(Südwest Presse: Freitag 17.10.2008)
Startseite