Eine damische Diseuse und drei Herren
Volles Haus im Langenauer Pfleghofsaal. Das Musikkabarett-Quartett Monaco Bagage wirbelte dort mit turbulentem Unsinn über die Bühne. Krawallmusik ohne Tiefsinn, aber mit Charme.
"Schwachsinn ist ein Unikum, und die Zeit geht dabei rum", trällerten die vier Musiker von Monaco Bagage im Langenauer Pfleghof in die Mikrophone. Kultivierter Quatsch vertrieb dem Publikum die nächsten drei Stunden die Zeit. "Jetzt samma beisamma, des is ja der Hammer", stampften die teils unechten Bajuwaren in den Bühnenboden. Da schepperte das Blech, und die Ohrwaschln der Zuschauer schlackerten im Rhythmus mit. Auch ohne Lederhose lässt es die ungezogene Bagage mit Volldampf krachen. Laut, derb und krachledern.
Dabei ist die Bassistin Miene Costa in der Chaotenband das einzige echte Münchner Kindl, freilich mit portugiesischen Wurzeln. Der Schlagzeuger Johann Bengen lernte im Tölzer Knabenchor das Singen, Martin Deubel ist ein blass gebliebenes Ruhrpottgewächs, und der Saxophonist Andy Arnold verlebte seine unglückliche Jugend in der Oberpfalz. "Weiden" heißt die Stadt, die zwar keine Hochkultur, aber eine Bronx hat. Und da herrschten raue Sitten bei der Suche nach der ersten Freundin.
Vermutlich hat sich Andy mit Musik davon gemacht. Den Klezmer beherrscht er perfekt, Blues, Jazz und Tango hat er ebenfalls drauf. Der Mann an den diversen Tröten fungierte als Fels in der musikalischen Brandung. Vor allem Johann Bergen ließ die Sticks wirbeln, drosch auf Becken und Trommeln ein, schrubbte mit dem Straßenbesen und nahm sich auch die Zuschauerstühle und die Zapfanlage an der Theke vor. Aber es gab auch Texte. Martin Deubel trug sie mit unbewegter Miene vor. "Hast du fünf Dinge und 14 Erben, liegt die Familie bald in Scherben", lautete die Kurzformel für einen Erbstreit. Außerdem suchte er die Einstichstelle für die Ehrennadel bei der Blutspende und sinnierte über Beziehungskisten im Wetterhäuschen. Hübsch waren auch die G"stanzln wie: "Um vier Uhr macht der Tierpark zu, jetzt hat auch das Kängu Ruh."
Mit ähnlich harmlosen Texten à la Wilhelm Busch ging es durch ein Programm, in dem Miene Costa als alternde Diseuse Mut zur Hässlichkeit bewies. Mit geschwärztem Zahn grinste sie ins Publikum, mit wackeligen O-Beinen trat sie ab. Das war hart an der Schmerzgrenze zum Bierzeltklamauk. Ja, geklatscht wurde auch. Vom Publikum vor Begeisterung, vom Ensemble hochmusikalisch im spanischen Flamenco- Stakkato. Monaco Bagage? Das ist überbordende Katastrophenmusik.
Autor: CHRISTINA KIRSCH
Südwest Presse: Samstag, 13.11.2010
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