Auch Pausen sind Musik - nicht nur beim Bossa
Carlos Antonio Jobim war der Vater des Bossa Nova. Maucha Adnet sang zehn Jahre lang in Jobims Band. Jetzt gastierte die Brasilianerin im Pfleghof.
"The Girl from Ipanema": Mit einem der berühmtesten Stücke Jobims wird die aktuelle Tournee Maucha Adnets beworben, die jetzt im Langenauer Pfleghof startete. Ein Etikettenschwindel: Als Jobim und sein Texter Vinícius de Moraes ihren größten gemeinsamen Hit schrieben, war Maucha Adnet noch gar nicht geboren. Das Mädchen, das den Männern den Kopf verdrehte und den Autoren als Inspiration diente, hieß Heloísa Eneida Menezes Paes Pinto und ist selbst eine Berühmtheit in Brasilien.
Dennoch, Maucha Adnet ist das Original, jene Sängerin, die sich Carlos Jobim 1984 in seine Band holte und die bis zu des Meisters Tod 1994 die Frontfrau war - mit allem gesegnet, was eine Bossa-Nova-Sängerin seit Astrud Gilberto ausmacht: eine tiefe, leicht rauchige Stimme, die auch in den leisesten, fast gehauchten Passagen den Ton trifft und ohne Vibrato hält und die trotz unterkühltem Timbre Erotik ausstrahlt. Wobei das mit dem Ton treffen beim Bossa so eine Sache ist, eine gewisse Unschärfe ist durchaus gewollt, und dieser Unschärfe hat Jobim auch einen Titel gewidmet: "Desafinado". Wie groß diese Unschärfe sein darf, das hat Maucha Adnet vom Meister gelernt.
Wie das mit der rhythmischen Seite des Bossa aussieht? Da hat Maucha Adnet den Fachmann bei sich zu Hause in New York: Sie ist mit Duduka da Fonseca verheiratet, und der Schlagzeuger gilt als das Maß der Dinge in Sachen Bossa.
Bei ihm hatte auch der Regensburger Gerwin Eisenhauer Unterricht, der zusammen mit dem Bassisten Uli Zrenner-Wolkenstein und dem Pianisten Walter Lang die Sängerin begleitete. Eisenhauer war ganz offensichtlich ein gelehriger Schüler. Was der Drummer an Witz, Gefühl und Drive aus seinem kleinen Set holte (und das alles so leise, dass da auch ein Akustik-Gitarrist unverstärkt hätte mitspielen können), das war schon eine Klasse für sich. Dieses Prädikat dürfen sich auch seine beiden Mitstreiter ans Revers heften. Das war alles ebenso entspannt wie punktgenau, hoch elegant und elaboriert. Merke: Auch Pausen sind Musik - nicht nur beim Bossa Nova. hep
Südwest Presse: Samstag, 27.02.2010
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