Von den Nöten eines Kabarettisten
Auch ein Kabarettist muss üben, bis sein Programm sitzt. Matthias Deutschmann spannte dafür das Publikum im Langenauer Pfleghof ein.
"Ich danke Ihnen für Ihre Toleranz." Für einen politischen Kabarettisten ist so ein Schlusssatz eher außergewöhnlich. Es sei denn, die Texte sitzen noch nicht so recht, oder die Inhalte haben sich inzwischen überholt. "Ich merk mir jede Stelle, an der Sie gelacht haben, alles andere werf ich raus", sagt Matthias Deutschmann an die Adresse des Publikums im nicht ganz vollen Langenauer Pfleghofsaal. So gesehen dürfte er tatsächlich noch ein Stück Arbeit vor sich gehabt haben bis zur echten Premiere seines neuen Programms "Deutsche, wollt Ihr ewig leben". Die ist heute Abend im Münchner Lustspielhaus. Im Pfleghof gabs am Mittwoch die Vorvorpremiere, gestern dann in Kaisheim bei Donauwörth die Vorpremiere.
Bärenstark ist Deutschmann immer dann, wenn er Tagesaktualitäten aufgreift. Beispielsweise die Landtagswahl in Baden-Württemberg am Sonntag. "Die große Frage ist, ob der Reaktor Mappus endlich vom Netz geht?" Sollte das der Fall sein, "machen wir in Freiburg ein Fass auf", sagt der Freiburger, Jahrgang 58, der seit 1980 Kabarett macht. Und wenn es nicht klappt? "Dann haben wir die Bagage die nächsten 52 Jahre an der Backe!" Und der Kabarettist hätte auch künftig seine Themen und seine Opfer.
Das in Langenau präsentierte Programm ist Deutschmanns zwölftes. Sein Markenzeichen ist sein Cello, auf dem er sich selbst begleitet, und der feuerrote Kasten, in dem er es verstaut. Ein roter Faden ist dagegen in "Deutsche, wollt Ihr ewig leben" noch nicht zu erkennen. Und über den "Lügenbaron" zu Guttenberg dürfte man höchstens noch ein paar Wochen lachen. Allerdings hätte zu Guttenberg auch während des Zapfenstreichs putschen und mit dem Wachbataillon auf Schloss Bellevue marschieren können, "um den Wulff zu verjagen", sinniert Deutschmann. Am Ende gibts von ihm noch eine Empfehlung für den Sonntag: "Schreiben Sie auf den Stimmzettel, dass der Bahnhof in Stuttgart tiefergelegt werden muss, und kreuzen Sie CDU und FDP an."
Autor: Edwin Ruschitzka
(Südwest Presse: Freitag,25.03.2011)
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