PFLEGHOF / Matt Darriau's Paradox Trio in Langenau - Wilder Ritt mit Jazz
Instrumente zu spielen, isteine Sache. Sie zu beherrschen, eine ganz andere. Zumal, wenn Könner wie Matt Darriau und seine Mannen am Werk sind.
FELIX KÖSTERKE
"Unglaublich, was die aus ihren Instrumenten rausholen". Die Menschen im Pfleghofsaal bekommen den Mund nicht mehr zu, als sich am Ende des Abends mit dem Matt Darriau Paradox Trio (paradoxerweise vier Mann) Percussionist Seido Salifoski, bisher Rückhalt der Band, in den Vordergrund spielt. Sein minutenlanges virtuoses Drumsolo ist atemberaubend. Als die letzten Vibrationen seiner Felle und Becken verebben, könnte man für einen Augenblick eine Stecknadel fallen hören. Dann macht sich die Anspannung des Publikums in begeistertem Applaus Luft.
"Matt Darriau Paradox Trio" stand auf den Plakaten, die zu dem Dreikönigskonzert der Jazzwerkreihe geladen hatten. Und: "From New York to Bulgaria". Dass die vier Musiker für die Strecke den Direktflug genommen haben, ist unwahrscheinlich. Es scheint, als hätten sie von zahlreichen Stationen einer musikalischen Weltreise all ihre Souvenirs mitgebracht. Die Musik ist ein wilder Ritt durch die Spielarten des Jazz, die Weltmusik und wieder zurück. Trotz der Umwege, Start und Ziel sind die prägenden Einflüsse: Osteuropäische Rhythmen paaren sich mit der Leichtigkeit New Yorks.
Das kommt nicht von ungefähr. Matt Darriaus Heimat ist New York, der Dumbek-Spieler Seido Salifoski stammt aus Mazedonien, Rufus Cappadocia am Cello ist gebürtiger Kanadier, und dem E-Gitarristen Brad Shepik sind balkaneske Tanzmelodien in Fleisch und Blut übergegangen. Jeder für sich ist ein Einzelkönner.
Das zeigt sich bereits in den ersten Minuten. Auf dem Gerüst das ihnen Drummer Salifoski baut, tobt sich Darriau auf der Klarinette aus, Cappadocia spielt sein Cello auf eine Art, die jeden Musikschüler mit den Ohren schlackern lässt, und Shepik entlockt seiner E-Gitarre rasante Läufe. Darriau, der sogar dem sperrigen Dudelsack zu Leichtigkeit verhilft, am Saxophon und Gitarrist Shepik liefern sich später regelrechte Duelle. Nichts wirkt einstudiert, alles spontan.
Die eigentliche Größe des vierköpfigen Trios zeigt sich aber im Zusammenspiel. Der Star ist die Mannschaft, und die Mannschaft besteht aus Stars. Die leisten sich manchmal Kapriolen, lassen sich dann aber wieder einfangen und finden auf ihren Platz ins Kollektiv zurück. Die Kommunikation zwischen den Musikern fällt spärlich aus. Fast immer spielen sie mit geschlossenen Augen. Blindes Verständnis, das sich in den vielen Jahren, die sie zusammen auf der Bühne stehen, eingestellt hat. Danke fürs Bleiben, sagt Darriau nach der Pause. Gelächter im rappelvollen Pfleghofsaal. Gern wären alle noch viel länger geblieben. Aber nach mehr als zwei Stunden Musik und zwei Zugaben ist Schluss.
(Südwest Presse: Samstag 08.01.2005)
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