In die Herzen des Publikums gesungen - Maria Giua im Pfleghof
Die italienische Sängerin Maria Pierantoni Giua im Langenauer Pfleghof
Bisher kennt die in Genua lebende Maria Pierantoni Giua hierzulande fast niemand. In Langenau spielte sie sich in die Herzen des Publikums.
UDO EBERL
Eigentlich hatte sich Maria Pierantoni Giua den Preis für besonderes künstlerisches Engagement schon allein für die Anreise nach Langenau verdient gehabt. Mit dem Auto nonstop von der ligurischen Küste an die Nau, und zwar nur für dieses eine Konzert, alles für den Versuch, zumindest einen ersten Zehen in die Tür des deutschen Musikmarkts zu bekommen. Respekt.
Was die Sängerin allerdings im ersten Set ihres Konzerts bot, gefiel zwar dem Gros der 70 Anwesenden im Pfleghofsaal durchaus, klang allerdings eher nach Liedermacher-Gemischtwarenladen und Reisemüdigkeit. Hier ein bisschen Folk, da ein wenig Pop und dazu sogar ein wenig Bossanova. Alles sehr hübsch gesungen, die Stimme leicht angeraut, die Grundlinien der Arrangements eher simpler Natur. Allein der gitarristische Begleiter Claudio Borghi, seines Zeichens schwer überhörbar ein geübter Jazzer und im Finale geradezu furioser Solist, sorgte mit seinen countryesken und jazzigen Ausschmückungen für die bis dahin noch wenigen fein geschliffenen Aha-Momente.
Im zweiten Set des Abends drehte sich der emotionale Wind. Mit perkussivem Drive gings an das folkloristische Gut der eigentlichen Heimat Rapallo, dann an italienische Gassenhauser, handverlesene Songs und Balladen aus eigener Fertigung sowie Ausgesuchtes des Genueser Cantautore Fabrizio De André im Original-Slang der Hafenstadt. Die Augen geschlossen, doch das Herz weit geöffnet, setzte Giua auch mit dem Titelstück ihres aktuellen Projekts "dominante rosso", in dem ihre Bilder und Skulpturen zum Bühnenbild werden, einen bleibenden Akzent. Und natürlich mit ihrer hinreißenden Art, deutsche Ansagen vom Blatt abzulesen, stets unsicher, ob das gerade Ausgesprochene auch nur annähernd korrekt war. Sehr humorvoll und charmant. Dank all dieser Komponenten wurde das Konzert am Ende trotz des Songmaterials, das gemessen an internationalen Maßstäben nicht immer grandioso war, doch noch zum Volltreffer.
Das Publikum forderte vehement Zugaben, und für die beiden Hauptakteure hatte sich die Fahrt nach Langenau gelohnt.
(Südwest Presse: Dienstag, 10.02.2009)
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