Artisten haben immer Angst
Ganz entspannt beginnt sie zu erzählen, in bestem Deutsch mit weich-gedehntem Akzent. Man mag sie auf den ersten Blick, auf den ersten Ton. So, wie man auch ihre Bücher mag. Und ganz anders, wie es Charles Pluut, dem "hinterhältigen" Zauberer in ihrem neuen Buch "Der Jongleur" ergeht Mit dieser Geschichte, bekennt die Niederländerin, hat sie sich frei geschrieben von der erfolgreichen "Sturmflut", ihrem vorherigen großen Roman, der sie lange nicht losließ.
Nach "Verabredung" und "Kreutzersonate" komplettiert "Der Jongleur" eine Trilogie, alle drei Romane vereint das Motto "Gefahr". "Denn Artisten haben immer Angst." Doch im "Jongleur" beschäftigt Margriet de Moor noch ein weiteres Thema. Wie kommt es, dass man bei manchen Menschen sofort Antipathie empfindet, und wozu kann eine solche Ablehnung führen? Die Antwort ist ein 158 Seiten kurzer, im Untertitel als "Divertimento" bezeichneter Roman geworden, "schnell und spielerisch gezeichnet", kunstvoll komponiert und in vielen unterschiedlichen Tonlagen erzählt. "Irgendwie einfach, aber irgendwie auch sehr kompliziert!", sagt sie mit einem fast entschuldigenden Lächeln.
In der Tat spürt man, während sie die ersten Kapitel vorliest, wie stark man sich konzentrieren muss, wie rasch sich einem die Figuren öffnen und wieder entziehen, wie abstrakt trotz manch drastischer Schilderungen der Inhalt bleibt. De Moor, die in ihrem früheren Leben Sängerin war und auch heute noch jeden Tag Klavier spielt, vergleicht ihre Art zu schreiben mit der Kompositionstechnik in der Musik: Eine Figur wird eingeführt wie ein Hauptthema, das Motiv weitergesponnen. Man muss sich nur einlassen auf den vordergründig leichten Tonfall der Autorin, dann wird "Der Jongleur" zu einem raffiniert hintergründigen Vergnügen
(Südwest Presse: Freitag, 09.05.2008)
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