COMEDY / Späße wie breite Nudeln
Oberschwäbischen Dialekt-Humor, breit ausgewalzt wie Nudelteig in Großmutters Küche, bot die Gruppe "Mannes Sangesmannen" im Langenauer Pfleghof.
ULI LANDTHALER
Nicht nur Sänger und Komödianten gehören zum fahrenden Volk - manchmal auch ihr Publikum. Dass der Auftritt des A-cappella-Chors "Mannes Sangesmannen" im Langenauer Pfleghofsaal ausverkauft war, lag maßgeblich am treuen Anhang der Bad Wurzacher. Das hat mehrere Folgen. Etwa die, dass Frontmann Manfred Gaupp sein Publikum aus dem Effeff kennt und am liebsten in frozzelige Dialoge mit denen tritt, die bei der Frage "Wer isch it aus Württaberg?" unvorsichtigerweise die Hand heben.
Schlagfertig greift der Confèrencier die Tonlage von Brigitte aus Wuppertal auf, um ihr zur Gaudi der Insider die sprachlichen Abgründe der nachfolgenden Gesangseinlage zu erläutern. Die besteht aus einem schwäbischen Heimatlied mit Texten, die sich jeglicher hochdeutschen Übersetzung entziehen. Dazu muss man wissen, dass der Dialekt aus "Wuza", wie Bad Wurzach bei seinen Bewohnern heißt, in seiner Bodenständigkeit nur wenig mit dem Salonschwäbisch gemein hat. Die Sangesmänner betätigen sich somit als singende Sprachforscher, die urschwäbische Begriffe wie "Bohle" (Kater) und "Bäs" (Kusine) genauso aufbereiten wie das eine oder andere körperliche Attribut unterhalb der Gürtellinie. Der Abend wird zum gesungenen Sprachkurs mit deftigem Mundarthumor, so breit gewalzt wie der Nudelteig aus Omas Küche. Angereichert mit dezenten Spitzen gegen oberschwäbische Eigenarten von Katholizismus bis Kehrwoche - die Schrullen reichen von Heu bis High, von Lady bis Landfrau.
Dass das Ganze nicht zur Klamotte auf Dorffaschingsniveau abgleitet, liegt am handwerklichen Können der sieben Sangesmänner, die gesanglich wie komödiantisch einiges drauf haben. Die Stimmlagen können sich hören lassen, die Intonation lässt Routine und Bühnenerfahrung erkennen. Das musikalische Gerüst der Lieder zimmern die Sangesmänner gekonnt aus den Ohrwürmern dieser Welt, das Reimen macht ihnen Vergnügen.
Auf der Negativseite steht die penetrante Werbung auf der Bühne für ein Bad Wurzacher Bekleidungshaus, das der Gruppe augenscheinlich ihre schwarzen Anzüge spendiert hat. Und vor allem wird man den Eindruck nicht los, dass sich die sieben Sangesmannen mit einem solchen Programm unter Wert verkaufen. Denn zwischen Bühnenklamauk und Publikumsgefrozzel schrumpft die Netto-Singzeit auf niedrige zweistellige Prozentwerte, da würde man doch gern viel mehr hören.
Artikel vom Dienstag 17.01.2006 aus SÜDWEST PRESSE - Ausgabe Ulm
Startseite