Herzklopfen beim Lesen
Manfred Mai hat in "Winterjahre" viele eigene Erlebnisse geschildert
Dass die "gute alte Zeit" oft alles andere als gut war, beschreibt Manfred Mai in "Winterjahre". Viele Leser erkennen sich in den Schilderungen wieder, bestätigten sie im persönlichen Gespräch mit dem Autor.
Beschönigt wird nichts. "Ich wollte erzählen, wies war", sagt Manfred Mai in der kleinen Runde mit SÜDWEST PRESSE-Lesern, die die Gelegenheit genutzt haben, den Autor ihrer täglichen Romanlektüre persönlich kennenzulernen.
In seinem Buch "Winterjahre", das er bei der anschließenden Lesung im Langenauer Pfleghofsaal auch einem größeren Publikum vorstellte, beschreibt Mai die Kindheits- und Jugenderlebnisse eines sensiblen, verträumten Buben, der in den fünfziger Jahren in einem kleinen Dorf auf der rauen Alb heranwächst. Wolfgang, die Hauptfigur, leidet sehr unter der Strenge des eigenen Vaters, der seinen Sohn mit unerbittlicher Härte in einen echten Kerl verwandeln will, aber auch unter der barschen Art und dem Unverständnis, das ihm von Lehrern und vielen anderen Erwachsenen entgegenschlägt.
Dass er in Wolfgang eine ordentliche Portion Manfred eingearbeitet habe, gesteht Mai offen ein. Wie sein Protagonist habe auch er in jungen Jahren darunter gelitten, seine geliebten Hasen dem Schlachter ausliefern zu müssen oder beim geringsten Muckser in der Schule geohrfeigt und verprügelt zu werden.
Von ähnlichen Erlebnissen wissen auch die Leser zu berichten, die in den Romanschilderungen oft ihre eigene Jugend wiederentdecken. "Bis heute habe ich die Schreie der Tiere im Ohr", erzählt Carmen Fahrner rückblickend, und alle in der Runde können zum Thema prügelnde Lehrer eigene Erfahrungen beisteuern.
"Ich kriege jeden Tag richtig Herzklopfen, wenn ich die nächste Folge in der Zeitung lese", sagt Irmgard Gum. Sie ist richtiggehend froh, dass sie Wolfgangs Geschichte nur in kleinen Häppchen verabreicht bekommt. "Alles auf einmal könnte ich gar nicht verkraften."
Offen über die Dinge zu reden, die er erlebt hat - so beschreibt Manfred Mai das Ziel, das er mit dem Buch verfolgt. Dass er seinen Lesern dabei einiges zumutet, ist ihm durchaus bewusst. "Aber so war es nun mal." Er berichtet von den Ängsten des kleinen Wolfgang, der in ein dunkles Kellerloch gesperrt wird, wie auch von einer Vergewaltigung, die er mitansieht, ohne zu verstehen, was da eigentlich geschieht. Die meisten seiner Fragen werden ohnehin mit einem kurzen "Das verstehst du nicht" abgewürgt. Und sein kindliches Urvertrauen in die Erwachsenen verliert er endgültig, als einer der wilden Pelzmärte am Abend vor dem Nikolaustag ein völlig verängstigtes Kind in seinen Sack steckt und mitnimmt, ohne dass einer der großen starken Männer einschreitet. Im Gegenteil: Solche Ängste wurden von den Eltern eher noch geschürt, erinnert sich Mai und bekennt: "Das nehme ich den Alten bis heute übel."
Fast zehn Jahre hat er darauf verwendet, alles aufzuschreiben. Dabei habe er sich stets an der Wirklichkeit orientiert. "Ohne meine eigenen Erfahrungen würde es Wolfgang nicht geben", sagt er. "Aber Wolfgang ist nicht Manfred." Vieles habe er tatsächlich selbst erlebt, anderes von verschiedenen Personen übernommen und manches auch erfunden, weil es ihm für den Fortgang der Geschichte nötig erschien.
"Winterjahre" ist Manfred Mais erster Roman für Erwachsene, und noch nie habe er so viele direkte Rückmeldungen bekommen. "Das war meine Geschichte", habe ihm sogar ein Leser aus Ungarn geschrieben. Lediglich in Winterlingen selbst, wo er mit seiner Familie lebt, hätten ihm einige kritische Stimmen "Nestbeschmutzung" vorgeworfen.
Ob das Schreiben für ihn eine Art Befreiung gewesen sei, will ein Leser wissen. "Nein", sagt Manfred Mai, dem man anmerkt, dass ihn die Erlebnisse seiner Jugend bis heute nicht kalt lassen. Wenn er seine Lesung unterbricht und bestimmte Dinge erläutert, nicken immer wieder einige der zumeist älteren Zuhörer. Sie wissen offenbar genau, wovon er spricht.
In seinem Buch "Winterjahre", das er bei der anschließenden Lesung im Langenauer Pfleghofsaal auch einem größeren Publikum vorstellte, beschreibt Mai die Kindheits- und Jugenderlebnisse eines sensiblen, verträumten Buben, der in den fünfziger Jahren in einem kleinen Dorf auf der rauen Alb heranwächst. Wolfgang, die Hauptfigur, leidet sehr unter der Strenge des eigenen Vaters, der seinen Sohn mit unerbittlicher Härte in einen echten Kerl verwandeln will, aber auch unter der barschen Art und dem Unverständnis, das ihm von Lehrern und vielen anderen Erwachsenen entgegenschlägt.
Dass er in Wolfgang eine ordentliche Portion Manfred eingearbeitet habe, gesteht Mai offen ein. Wie sein Protagonist habe auch er in jungen Jahren darunter gelitten, seine geliebten Hasen dem Schlachter ausliefern zu müssen oder beim geringsten Muckser in der Schule geohrfeigt und verprügelt zu werden.
Von ähnlichen Erlebnissen wissen auch die Leser zu berichten, die in den Romanschilderungen oft ihre eigene Jugend wiederentdecken. "Bis heute habe ich die Schreie der Tiere im Ohr", erzählt Carmen Fahrner rückblickend, und alle in der Runde können zum Thema prügelnde Lehrer eigene Erfahrungen beisteuern.
"Ich kriege jeden Tag richtig Herzklopfen, wenn ich die nächste Folge in der Zeitung lese", sagt Irmgard Gum. Sie ist richtiggehend froh, dass sie Wolfgangs Geschichte nur in kleinen Häppchen verabreicht bekommt. "Alles auf einmal könnte ich gar nicht verkraften."
Offen über die Dinge zu reden, die er erlebt hat - so beschreibt Manfred Mai das Ziel, das er mit dem Buch verfolgt. Dass er seinen Lesern dabei einiges zumutet, ist ihm durchaus bewusst. "Aber so war es nun mal." Er berichtet von den Ängsten des kleinen Wolfgang, der in ein dunkles Kellerloch gesperrt wird, wie auch von einer Vergewaltigung, die er mitansieht, ohne zu verstehen, was da eigentlich geschieht. Die meisten seiner Fragen werden ohnehin mit einem kurzen "Das verstehst du nicht" abgewürgt. Und sein kindliches Urvertrauen in die Erwachsenen verliert er endgültig, als einer der wilden Pelzmärte am Abend vor dem Nikolaustag ein völlig verängstigtes Kind in seinen Sack steckt und mitnimmt, ohne dass einer der großen starken Männer einschreitet. Im Gegenteil: Solche Ängste wurden von den Eltern eher noch geschürt, erinnert sich Mai und bekennt: "Das nehme ich den Alten bis heute übel."
Fast zehn Jahre hat er darauf verwendet, alles aufzuschreiben. Dabei habe er sich stets an der Wirklichkeit orientiert. "Ohne meine eigenen Erfahrungen würde es Wolfgang nicht geben", sagt er. "Aber Wolfgang ist nicht Manfred." Vieles habe er tatsächlich selbst erlebt, anderes von verschiedenen Personen übernommen und manches auch erfunden, weil es ihm für den Fortgang der Geschichte nötig erschien.
"Winterjahre" ist Manfred Mais erster Roman für Erwachsene, und noch nie habe er so viele direkte Rückmeldungen bekommen. "Das war meine Geschichte", habe ihm sogar ein Leser aus Ungarn geschrieben. Lediglich in Winterlingen selbst, wo er mit seiner Familie lebt, hätten ihm einige kritische Stimmen "Nestbeschmutzung" vorgeworfen.
Ob das Schreiben für ihn eine Art Befreiung gewesen sei, will ein Leser wissen. "Nein", sagt Manfred Mai, dem man anmerkt, dass ihn die Erlebnisse seiner Jugend bis heute nicht kalt lassen. Wenn er seine Lesung unterbricht und bestimmte Dinge erläutert, nicken immer wieder einige der zumeist älteren Zuhörer. Sie wissen offenbar genau, wovon er spricht.
(Südwest Presse: Freitag, 02.05.2008)
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