Vergnügliche Szenen einer schwulen Ehe
Schrill und bekennend schwul, das sind Tetta Müller und Lo Malinke, auch als Malediva bekannt. In Langenauer Pfleghof zeigten sie Szenen einer Ehe.
Wie lebt eigentlich ein schwules Paar zusammen? Gehen die beiden in ihrer Beziehung pfleglicher miteinander um, knatscht es etwa weniger oft als bei Heterosexuellen? Tetta Müller und Lo Malinke geben diesbezüglich schon seit 1997 bereitwillig Auskünfte persönlicher und besonders vergnüglicher Art. In jenem Jahr gründeten sie Malediva, was sich aus den Wörtern "male" wie männlich und "Diva" zusammensetzt. Seit 1999 werden sie vom Pianisten Florian Ludewig begleitet. Malediva gab jetzt ein Gastspiel im Langenauer Pfleghof, nicht mit ihrem neuesten Programm "Pyjama Party", sondern mit "Die fetten Jahre" aus dem Jahr 2009, einer herrlich witzigen Boulevardkomödie.
Wie es scheint, gibt es in dieser Beziehung auch "ihn" (Tetta Müller) und "sie" (Jo Malinke). Die beiden erwarten Freunde zum Abendessen, und sie hat mal wieder gekocht: Kaninchen in zart-bitterer Schokoladensoße. "Die sind ja so süüüß." Kochen scheint ein zentraler Inhalt dieser Beziehung zu sein, denn schließlich sei Kochen der Sex der 40-Jährigen.
Der Tisch ist also gedeckt, die Sitzordnung ist vorgegeben - und die Fetzen fliegen. Dass am Ende alle Freunde abgesagt haben, betrübt die beiden nur kurz. Dass aber "seine" Mutter ihnen auch einen Korb gibt, ist ein Tiefschlag: Ihre Lebensabende seien zu kurz bemessen, lässt sie mitteilen, als sie mit solch beschissenen Abenden zu vergeuden.
Was bleibt den beiden, als das zu tun, was alle Pärchen tun, egal ob homo- oder heterosexuell? "Wenn sich zwei Menschen nicht leiden können, suchen sie sich einen Dritten, über den sie ablästern können." Und das tun sie beispielsweise über Tanja und Tanja, ein befreundetes Lesbenpärchen.
Es gibt tatsächlich wohl weniger Unterschiede zwischen gleich- oder verschiedengeschlechtlichen Ehen als viele denken. Doch, einen gravierenden gibt es, wie Malediva in einem ihrer lustigen, mitunter aber auch nachdenklichen Liedtexte zum Besten geben: "Das Glück der schwulen Pärchen ist ein weit verbreitetes Märchen. Auch bei uns wird geweint und gelogen, nur sind wir dabei besser angezogen. Wenn zwei Menschen im Kummer versinken, ist es egal, ob sie im Stehen oder im Sitzen pinkeln." Wohl wahr.
Autor: EDWIN RUSCHITZKA
Südwest Presse: Dienstag, 24.01.2012
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