Luise Kinseher im Langenauer Pfleghof
Auch auf der Live-Bühne perfekt
Luise Kinseher zeigte im Langenauer Pfleghof, dass ihr bayerisches Typenkabarett live genauso witzig ist wie bei ihren Kurzauftritten im Fernsehen.
ULI LANDTHALER
Überzeugt auch live: Luise Kinseher. Dem kleinsten Schauplatz hat das unfreiwillige Kabarett-Festival nicht geschadet: Der Langenauer Pfleghof, wo Luise Kinseher ihr bayerisches Typenkabarett auffuhr, verzeichnete trotz der Konkurrenz von Atze Schröder und Hagen Rether einen vollen Saal.
Gerade weil es so eng zugeht im Fachwerkidyll, hat der Pfleghof ja auch einen dicken Pluspunkt. Man sitzt ganz nah dran an der Bühne und kann bei Luise Kinseher ihr kantiges Minenspiel verfolgen, grad so, als sitze man vor dem Fernseher. Von daher kennt man die Dialekt-Akrobatin aus Niederbayern auch, und man war gespannt, ob ein Zwei-Stunden-Auftritt genauso lustig ist wie die Szenen bei "Ottis Schlachthof". War er natürlich.
Die Kinseher spielt in einer Klasse, in der die Zeit verfliegt wie nichts, weil sie auf der Bühne zwar improvisiert und Zuschauereinwürfe provoziert, um damit zu spielen, aber bei allem Durcheinander kommt der Wortschwall exakt getimt und dosiert: Das kabarettistische und schauspielerische Handwerk sitzt tadellos, besser als ihr schwarzer Hosenanzug, den sie sich als fiktive Empfangsdame eines Alpenhotels angelegt hat.
Hier nimmt das Typenkabarett seinen Ausgang. Im Hotel tummeln sich Nacktsportler, besserwisserische Servicekräfte, eine Abendunterhalterin, die nicht jodeln kann - und vor allem neureiche Russen: Die radebrechende Olga mit der Pelzmütze ist die populärste Kinseher-Figur, die in Langenau mit Zugabe-Rufen bedacht wurde.
Der schnelle Rollenwechsel und das bayerische Idiom, das den Dingen ihr eigenes Wesen verleiht, sind der Reiz des Programms. Was zu kurz kommt, ist das Kabarett im eigentlichen Sinn. Luise Kinseher parodiert viele, doch sie analysiert wenig. Das ist schade, denn dieses ratternde Mundwerk hat das Zeug, die Dinge auf den Punkt zu bringen.
(Südwest Presse: Dienstag, 25.04.2009)
Startseite