Spontaner Blues ohne Netz im Doppelpack
Der eine trägt den Beinamen "Giant of Blues", der andere gilt mit Fug und Recht als einer der besten Bluesgitarristen Europas. Die Erwartungen waren also hoch beim Konzert von Louisiana Red und Al Jones im Langenauer Pfleghof. Und gleich vorweg: Sie wurden auch erfüllt.
Allerdings nicht für jene, die sich eine Gala in zwölf Takten erwartet hatten. Hochglanz-Blues à la B. B. King ist die Sache der beiden nämlich nicht, virtuos darf"s dagegen schon sein, vor allem wenn Al Jones mit seinem Trio die Bühne für seinen alten Weggefährten Louisiana Red bereitet. Seit fast 25 Jahren sind die beiden immer wieder live unterwegs - von Routine allerdings keine Spur. Denn der Amerikaner spielt den Blues so, wie er einst entstanden ist: als freie Improvisation.
Ein Programm? Fehlanzeige. Was der 77-jährige Louisiana Red spielt und singt, geschieht auf Zuruf - im besten Fall. Ansonsten beginnt der Mann aus Alabama einfach einen Song, legt einfach los und überlässt es der Band zu erraten, welches Riff da in welcher Tonart passen könnte.
Die Musiker sind ausgefuchst - neben Al Jones der zuverlässige Uwe Knüppel am Bass und der aufmerksame Peter Kraus am Schlagzeug - kennen ihr Vokabular nicht nur in und auswendig, sie schaffen es auch, den plötzlichen Einfällen Louisiana Reds eine gültige musikalische Form zu geben.
Louisiana Red, der bürgerlich Iversion Minter heißt und seinen Künstlernamen seiner Vorliebe für die scharfe Chilisauce aus Louisiana verdankt, genießt seine Freiheiten, zelebriert seine Einfälle als Unterrichtsstunde in traditionellem Blues. Der Mann hat die Qualifikationen fürs Lehramt, lernte den Blues schließlich selbst vom Großmeister Muddy Waters, dem er auch seinen Song "Sleep on Muddy Waters" widmete. Die Stimme ist immer noch grandios, an der Gitarre nimmt ers dagegen locker, manchmal agiert er ziemlich aus dem Timing, dann überrascht er beim ganz zarten Einsatz des Bottlenecks auf der Akustischen mit ganz großen Momenten, um dann wieder ungestüm dazwischen zu fahren. Alles erfrischend unberechenbar. "Mit Red ist kein Konzert wie das andere", sagt Al Jones. Aber so soll Blues ja auch sein. hep
Südwest Presse: Samstag, 07.11.2009
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