"LaLeLu" blödeln und singen vom Feinsten
A-cappella-Gruppen gibt es seit ein paar Jahren wie Sand am Meer. Aber nur wenigen gelingt es, sich aus der großen Masse herauszuheben. Eine davon ist die Hamburger Formation "LaLeLu", die 1995 schon mal im Langenauer Pfleghof gastierte und dort jetzt ihr aktuelles Programm, übrigens das zehnte, vorstellte. Das strotzt nicht nur vor ausgezeichneten vokalen Arrangements, sondern hat auch viel Sprachwitz. Und das Quartett kann unbekümmert albern sein.
Der musikalische Chef der Vier ist Sören Sieg, der für Texte und Arrangements sorgt und mit seinem hellen Tenor beim Jonglieren auch schon mal durcheinander gerät, sonst aber moderierend das Oberwasser behält. Die Finnin Sanna Nyman sorgt nicht nur für den notwendigen Sexappeal auf der Bühne, sondern kann mit ihrem samtweichen Mezzo auch ins gnadenlose Selbstmitleid fallen: "Warum kann ich nicht singen?"
Jan Melzer sorgt für die Mittelstimme, gibt den mitleidheischenden Pitbull-Besitzer und kann mit seiner Stimme eine E-Gitarre so zum Jaulen bringen, dass man sich ruckzuck in Woodstock wähnt, wo Jimi Hendrix "The Star-Spangled-Banner" verzerrt. Ähnliches gelingt dem Bassisten Tobias Hanf, der neben seinen tiefen Tönen ein glänzender Parodist tagesaktueller Promis ist und auch nicht davor zurückschreckt, seinen Astralleib zur Schau zur stellen.
"Pech im Unglück" heißt das Programm, mit dem die Vier derzeit unterwegs sind. Eine ultimative Lebensberatung wollen sie damit anbieten. Und so findet sich denn auch die Eheberatung à la Loriot, wenn es um gemeinsame Unternehmungen geht, neben den Tipps für den Vater, der mit seinem Sohn beim Eisstand steht, so stehen die musikalisch verfeinerten Lebensweisheiten neben der Horoskop-Paar-Analyse. Doch zum Abschluss gibt es die Fülle des Wohllauts zum Thema "Liebe", nicht ohne augenzwinkernde Überbetonung der zweiten Silbe. GOTTFRIED LOTHAR
Südwest Presse: Samstag, 29.10.2011
Startseite