Magnussons literarische Punktlandung
Mit "Das war ich nicht" gelang Kristof Magnusson eine Punktlandung. Exakt zur Bankenkrise war auch sein Roman zu diesem Thema fertig.
Eigentlich ist Kristof Magnussons Buch ein Liebesroman mit drei Hauptfiguren, die sich "einfach falsch verlieben", wie der deutsch-isländische Schriftsteller in seiner Lesung im Langenauer Pfleghof betonte. Doch neben der literarischen Übersetzerin Meike und dem alternden, von Schreibhemmung geplagten Schriftsteller Henry ist die dritte Hauptfigur Jasper ein Banker, der gerade die entscheidende Karrierestufe genommen hat.
Jedes der vielen Kapitel des Romans "Das war ich nicht" wird von einer der drei Figuren in Ich-Form erzählt. Das erlaubt dem Autor Einblicke in das Seelenleben von drei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Meike ist gerade von Hamburg aufs Land gezogen, hat ihren langjährigen Freund verlassen und sich einen Jugendtraum erfüllt. Wie wackelig die Stadtflucht tatsächlich ist, fängt der Autor mit einen einzigen Satz Meikes ein: "Jetzt muss ich mich nur noch daran gewöhnen, dass es hier richtig schön war."
Der Banker Jasper ist zwar beruflich sehr zufrieden, seine Kollegen ("die redeten über Handys, Heimkinos und Sportwagen, denen sie das Recht auf eine komplizierten Charakter zubilligten. Im Gegensatz zu Frauen") mag er aber nicht. Doch das ist jetzt Nebensache, denn er hat es in den Händlersaal von Rutherford & Gold geschafft. Salopp gesagt: Er darf jetzt zocken.
Magnussons Roman glänzt nicht mit einer kunstvoll und verstrickt komponierten Handlung. Wer gerade erzählt, ist immer klar. Klar ist auch, dass sich die Drei im Verlauf der Handlung begegnen werden. Doch dem 1976 in Hamburg geborenen deutsch-isländischen Autor gelingen plastische und pointierte Milieuschilderungen aus der Banker- und der Literaturszene. Wenn etwa Schriftsteller Henry sechzig wird, eine Überraschungsfeier über sich ergehen lassen muss und dort freudig auf die zweite Nominierung für den Pulitzerpreis angesprochen wird, schießt ihm nur durch den Kopf: "Ein zweiter Pulitzerpreis, das war, als bekäme ich den Ehrendoktor für mein Lebenswerk. Danach konnte man nur noch eine künstlerisch relevante Sache tun: sterben."
Magnusson hat keinen Roman über die Finanzkrise geschrieben, in diesem Roman sind alle in der Krise, doch vor allem Jaspers Bankkarriere nimmt fatale Züge an. Trotzdem: Der Autor mag seine Figuren, und wenn er die Geschäfte der Banken mit Mickymausfiguren erläutert, ist das eine so unterhaltsame wie liebevolle Schilderung.
Kristof Magnusson: Das war ich nicht. Verlag Antje Kunstmann, 285 S., 19.90 EUR
Südwest Presse: Mittwoch, 21.01.2010
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