OPEN AIR / "Ein Fest auf den Wiesen" in Langenau
Martinskirche als Campanile
Konrad Beikircher sang und übersetzte Adriano Celentano
Jeder kennt die Hits des Italieners Adriano Celentano, doch wer versteht die Texte? Der Kabarettist, Autor und Sänger Konrad Beikircher, ein Südtiroler, sorgte mit dem verträumt-rockigen Programm "Una festa sui prati" im Langenauer Pfleghof für kurzweilige Abhilfe.
STEFAN LOEFFLER
Konrad Beikircher traute sich was und zog zu Beginn seines Konzert erst einmal Peter Kraus durch den Kakao. Und das vor einem Publikum, das zum größten Teil mit diesen Schlagern aufgewachsen ist. Der gebürtige Südtiroler, der nun im Rheinland lebt, ist hingegen mit den Songs von Adriano Celentano groß geworden: "Er war kein Idol, eher ein Freund, der in seinen Liedern Antworten gab." Eine Eigenschaft, die Konrad Beikircher im deutschen Liedgut der 60er Jahre eben immer vermisste. Deshalb widmete er auch dem Entertainer aus Mailand das Programm "Una festa sui prati".
Doch gehört nicht auch eine gehörige Portion Mut dazu, einen Abend mit Liedern zu gestalten, die allesamt zwischen 1968 und 1985 geschrieben wurden? Warum nicht, denn bei Konrad Beikircher ist es die Leidenschaft
für Melodien und Texte, die es ihm ein Leichtes machen, sich an seine Kindheit jenseits der Alpen zu erinnern. Und das Publikum im Pfleghof begleitete ihn gerne und genoss die vergnüglich vorgetragenen Anekdoten.
Als junger Mann zog Beikircher mit seinen Freunden und seiner Gitarre durchs sommerliche Pustertal, um die Herzen deutscher Urlauberinnen zu erobern. Dies tat er natürlich mit Songs wie "Il Ragazzo della Via Gluck" oder "Azzurro". Und so hat der Südtiroler dem Poeten, Chansonnier und Rock'n'Roller aus Norditalien vielleicht so manche Liebelei zu verdanken.
Mal ehrlich. Auch für viele Deutsche gehörten Adriano Celentanos Lieder zu einer Reise nach Italien, wie Salami auf eine Pizza. Und so war das Konzert von Konrad Beikircher und seinen Musikern Martin Wagner am
Akkordeon, Hanns Höhn am Bass und Matthias Raue an der Mandoline, Bratsche und Violine für die etwa 300 Zuhörer eine Einladung, sich in die Zeit zurück zu versetzen, als sich der Duft von Pasta asciutta auch diesseits
des Brenners breitmachte und die ersten Vespas knatterten.
Schnell war auch klar, wie vielseitig das Repertoire von Adriano Celentano war und ist, der überwiegend über die Liebe schrieb und sang. Konrad Beikircher: "Er saß quasi auf der Bettkante, wenn es einem einmal schlecht
ging." Doch der italienische Stimmungsmacher schlug in seiner Karriere durchaus auch sozialkritische Töne an. Dies alles erfuhren die Gäste durch die Übersetzungen der Liedzeilen, die Konrad Beikircher zwischen den Songs
vortrug. Denn wohl jeder kann "Una festa sui prati" singen, doch wer weiß schon, dass damit ein Fest auf den Wiesen gemeint ist?
Eine Wiese gab es im Pfleghof nicht, dafür grüßte die nahe gelegene Martinskirche als Campanile herüber. Und so war es passend, dass sich die Veranstalter trotz einer mäßig lauen Sommernacht für eine Freiluftveranstaltung entschieden hatten. So hat der Abend in zweifacher Hinsicht gezeigt, dass es eben gut ist, wenn man sich etwas traut.
(Südwest Presse: Montag 06.08.2007)
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