Wohlklang von Trompete und Piano
Vor gut fünf Jahren sorgten die Jungspunde Roman und Julian Wasserfuhr in der Jazzszene mit ihrer ersten CD für Furore. Inzwischen haben die beiden aus dem oberbergischen Hückeswagen stammenden Musiker ihren Abschluss an der Hochschule in Köln gemacht. Am Freitag präsentierten sie ihr neues, drittes Album "Gravity" im leider nur gut zur Hälfte gefüllten Langenauer Pfleghof. Überwiegend Eigenkompositionen, meist Balladen im gemäßigten Tempo, stellten der Trompeter Julian (23) und der Pianist Roman Wasserfuhr (26) vor.
Die Melodie steht im Mittelpunkt ihrer Kompositionen, denn sie soll den Zuhörer berühren. So spannte der Trompeter weite, oft entschleunigte Melodiebögen auf, wobei in seinem Spiel sein Vorbild Chet Baker nur noch sporadisch durchschimmerte. Zusammen mit den geschmeidigen Pianoläufen entwickelte sich ein angenehmer, fast schon einschmeichelnder Wohlklang.
Die Rhythmusgruppe um Kontrabassist Benjamin Garcia und Schlagzeuger Oliver Rehmann agierte dazu perfekt und zurückhaltend im Hintergrund. Eigentlich sollten auch elektronische Hilfsmittel verwendet werden. Aber wegen eines technischen Problems agierte man bald nurmehr rein akustisch.
Neben gelungenen Songs wie "Branca" oder "Geno the shoeshine" spielte das Quartett auch Fremdmaterial, wie die großartige Interpretation des Bert-Kaempfert-Titels "L.O.V.E." Ganz zurückhaltend wurde vom Quartett "Song for E." dargeboten, ein Werk von Lars Danielsson, der schon beim zweiten Album mitwirkte und am nächsten Donnerstag mit Caecilie Norby an gleicher Stelle gastieren wird.
Mit der "Toccata" von Lalo Schifrin, die er einst Dizzy Gillespie gewidmet hatte, gab es eine temporeiche Nummer als Zugabe und perfekten Rausschmeißer für ein begeistertes Publikum. WOLFGANG HÄBERLE
Südwest Presse: Montag, 7.11.2011
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