Jochen Malsmheimer blickt zurück
Der Hausmeister aus der Priolschen Fernsehanstalt war auf Stippvisite im Langenauer Pfleghof. Dieser Jochen Malmsheimer ist zum Brüllen komisch.
Wie schräg muss einer drauf sein, was muss er zuvor geraucht haben, um auf solch gewaltige Sätze zu kommen? "Wenn Worte reden könnten, dann könnten Zahlen auch rechnen." Jochen Malmsheimer, der polternde Hausmeister in "Neues aus der Anstalt" (ZDF, wieder am 13. Dezember), kann auch länger als ein paar Minuten Gastauftritt, und er kann vor allem auch solo. Was nicht für jeden Kabarettisten gilt. Da gibt es welche, die sind kurz ganz witzig, aber lang auch ermüdend. Nicht aber dieser Malmsheimer. Das Programm, das er im Pfleghof zum Besten gibt, hat immerhin schon elf Jahre auf dem Buckel. Er mache das immer so, erklärt er dem Publikum: Wo er erstmals auftritt, gibts was Altes auf die Ohren. Olle Kamellen? Mitnichten! Obwohl, ein wenig rückwärtsgewandt ist das Programm schon. Denn wie ein roter Faden zieht sich eine Erkenntnis durchs Programm: Früher war alles besser - obwohl es nichts gab. Das Zitat stammt von seiner "Ommma". Tatsächlich mit drei M geschrieben und ausgesprochen, denn Malmsheimer kommt mitten aus dem Kohlenpott, aus Bochum.
Früher gabs prickelnde Ahoi-Brause in vier Geschmacksrichtungen: Orange, Zitrone, Himbeeren und vor allem Waldmeister. Früher gabs vor allem noch Feten und keine Partys, "und die waren auch kein Event, sondern ein Ereignis". Mit Lambrusco, Marke Pennerglück, mit Nudelsalat und Erbschen, vor allem mit halbierten Silberzwiebeln. Und das so intensiv, bis das Zeugs den Rückwärtsgang einlegte. Ja, damals ging was ab auf diesen Feten, vor allem auf den bewohnten Federkernmatratzen, auf denen allzu oft die Sexualität erwachte. "Der erste Sex", so erinnert er sich, "wird gerne mal überschätzt - und er wurde von meiner Partnerin als solcher auch gar nicht erkannt." Dass sich das überwiegend 50-plus-Publikum bei solchen Rückschauen vor Lachen ausschüttet, kommt nicht von ungefähr. Nach zwei Stunden ist Schluss. Leider.
Autor: EDWIN RUSCHITZKA
Südwest Presse: Freitag, 18.11.2011
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