Jens Thomas im Langenauer Pfleghof
Goethe wird poppig
Mit Jens Thomas kam ein Pianist und Sänger nach Langenau, den man dem Jazz zuordnet. Hier verortete er Goethes Gedichte im Großraum Pop.
UDO EBERL
Wie es da hämmerte, hallte, rockte, wie der Mann irre juchzte und singend frohlockte. Jens Thomas, der musikalische Leuchtturm im "Othello" der Münchner Kammerspiele, gefeierter Morricone-Interpret und Duo-Partner von Christof Lauer, brachte den Flügel im Pfleghof an seine Grenzen, sich selbst sowieso. Vom Dichterfürsten gefangen, in seine Poesie hineingekrochen, um sie neu zu definieren, mit Klavierpop im weitesten Sinne. Zu Gast mit seinem Programm "Gesang der Geister", dem Abend zum von der Hochkritik bejubelten Album. Es galt Goethes Verse neu zu entdecken, musikalisch eingebettet, zu Rocksongs und balladesken Träumereien.
Tragende Sätze wurden zu Refrains, Kernbohrungen sozusagen. Und höre da, gesungen klang Goethe wie neu. Einzelne Zeilen leuchteten wie Neonschrift, wunderbar zeitgemäß, andere schlicht berührend. Thomas schmiss sich geradezu wolllüstig in den Textberg.
Nun ja, ob das mit Rock n Roll aufgepeppte "Heideröslein" der Weisheit letzter Schluss war, sei dahin gestellt, doch "Zum Sehen geboren" oder das aufrüttelnde "Was machst du an der Welt" waren geradezu genial. Thomas schweifte zudem sympathisch zerstreut ab, ließ gleich nach dem Glockenschlag der Martinskirche seine Variante der "Hellsbells" von "AC/DC" läuten.
Nicht alles musste Goethe sein. Auch die Zugaben nicht, nette Songs, Teaser fürs kommende Programm. Zunge raus, her mit dem Rest der Stimme, die trotz Erkältung bis zuletzt gehalten hatte. Die wenigen Besucher dankten mit raumfüllendem Applaus.
(Südwest Presse: Montag 02.02.2009)
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