Jan, es schmeckt uns
Seine Familie bietet Jan Weiler scheinbar unerschöpflichen Erzählstoff. Im Langenauer Pfleghofsaal hat der Autor und Journalist aus seinem Kolumnen-Buch "Mein Leben als Mensch" vorgelesen.
Ein ganz Übler ist er, dieser Jan Weiler. Er plaudert alle Familiengeheimnisse aus - und zwar nicht nur in seinem Bestseller "Maria, ihm schmeckts nicht", sondern auch in seinen Kolumnen "Mein Leben als Mensch", die auch als Buch erschienen sind. Er hats jetzt auch in Langenau getan - vor etwa 140 Neugierigen im Pfleghofsaal. Und die haben so einiges über die Weilers erfahren.
Jan Weiler nutzt etwa das Spionage-Set seines achtjährigen Sohnes Nick, um durch die Wand die Freundinnen-Gespräche seiner Teenie-Tochter Carla mitzuhören - natürlich aus rein väterlicher Sorge. Dabei erfährt der Papa von den brisanten Anbandlungsgeschichten des "Pubertiers", wie er die Zwölfjährige derzeit nennt.
Seinem Sohn Nick, der wegen seines Faibles für Germknödel nirgendwo anders Urlaub machen möchte als in Österreich, erzählt er: "Der Germknödel ist ein Tier, das hat man ins kochende Wasser gesteckt, nachdem man ihm die Beine weggemacht hat." Nick aber lässt sich sein Leibgericht nicht ausreden. Auch dann nicht, als ihm der Vater vorhersagen kann, was der Germknödel als letztes gegessen hat: "Pflaumenmus".
Verheiratet ist Jan Weiler auch - mit Sara. Und damit sei er an und für sich recht zufrieden. Doch manchmal fühle er sich allein in der Ehe - so als einziger Mann. Und er gesteht, dass er gerne Kontaktanzeigen liest, am liebsten die aus der "Zeit". "Wer weiß, vielleicht sucht ja irgendeine Frau genau nach mir." Oder sollte er selber eine aufgeben? "Zu anstrengend", findet er. Schließlich müsste er dann die passenden Synonyme für kurzsichtig (interessant), sporadisch zu dick (Genießer) und zunehmend vertrottelt (liebenswert) finden.
Auch Jan Weilers italienischer Schwiegervater Antonio muss an diesem Abend mal wieder für Geschichten herhalten - wie schon im Buch-Bestseller und Kinofilm "Maria, ihm schmeckts nicht" oder in "Antonio im Wunderland". Besonders gelacht hat das Publikum über Antonios erstes Mal bei der Kosmetikerin.
Jan Weilers Kolumnen sind kurzweilig und unterhaltsam. Das darf man auch erwarten von einem, der Bestseller, Drehbücher und Hörspiele verfasst und Chefredakteur des Süddeutsche-Magazins war. Aber dieser Autor ist auch ein Entertainer, der seine Texte nicht nur vorliest. Weiler geht aus sich heraus, imitiert seine Figuren stimmlich und theatralisch so gekonnt, dass man ganz vergisst, dass da einer vorliest. Weiler live, das toppt sogar noch seine Bücher. Das Publikum im Pfleghof lachte fast zweieinhalb Stunden lang.
Zwischen den Anekdoten wirkte Weiler dagegen eher wie jener junge Deutsche, den Christian Ulmen in der Verfilmung von "Maria, ihm schmeckts nicht" spielt: bescheiden, schüchtern, unbeholfen.
Info Jan Weiler: Mein Leben als Mensch. Kindler Verlag, 224 Seiten, 14.90 Euro. Die gleichnamigen Kolumnen kann man auch im Internet abonnieren: www.janweiler.de
Autor: Isabella Hafner
Südwest Presse: Samstag, 22.01.2011
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