Zwei große Jazz-Melodiker
Jan Lundgren & Paolo Fresu in Langenau
Mit erstklassigem kammermusikalischem Jazz hat das Duo Jan Lundgren & Paolo Fresu das Publikum im Langenauer Pfleghof begeistert.
Eigentlich touren Jan Lundgren und Paolo Fresu momentan als Trio mit dem französischen Akkordeonisten Richard Galliano durch die Lande, aber die finanziellen Vorstellungen des Franzosen bewirkten, dass nur das Duo Lundgren/Fresu im Pfleghof Station machte. Doch nach gut 80 abwechslungsreichen Minuten wurde der Franzose wahrlich nicht mehr vermisst.
Der schwedische Pianist Lundgren, Jahrgang 1966, zählt in seiner Heimat zu den Stars der Szene, ist aber auch durch seine Zusammenarbeit mit amerikanischen Jazzern wie Benny Bailey und Herb Geller bekannt. Der sardische Flügelhornist und Trompeter Fresu, Jahrgang 1961, ist nach einigen Auftritten in Ulm kein Unbekannter mehr.
Zwei große Melodiker saßen da auf der Bühne, die der Kunst der Ballade frönten. Lustvoll spielten sie mit den jeweiligen Melodien, begleiteten sich gegenseitig, dialogisierten miteinander und improvisierten leidenschaftlich, spannend. Ein Fest der Klangästhetik zelebrierten sie. Lundgren gehört zu den Post-Bop-Pianisten, zeigte sich als virtuoser Pianist, griff kaum zu avantgardistischen Stilmittel und blieb immer der sensible Melodiker. Fresu glänzte mit seinem lyrischen, ausdrucksstarken Spiel, sei es auf dem Flügelhorn, sei es auf der gestopften Trompete. Er erinnerte an den Miles Davis der späten 50er Jahre und setzte die elektronischen Hilfsmittel nur sparsam ein.
Ein abwechslungsreiches Programm bot das Duo. Mit "Märe Nostrum" von Lundgren, aus der gleichnamigen aktuellen CD des Trios, gab es Klangpoesie pur zu hören. Danach ein Standard, wobei sich das Thema von "Autumn Leaves" erst nach langem Improvisieren herausschälte. Erstklassig ihre Interpretation von Claudio Monteverdis Madrigal "Si dolce e il Tormento", um dann George Gershwins Klassiker "Summertime" neues Leben einzuhauchen. Fast ein Ohrwurm war "Varvindar friska", ein schwedisches Lied, das Lundgren neu arrangiert hatte. Großartig auch Stan Getz "Dear Old Stockholm", das auf einem Volkslied basiert.
Für ein begeistertes Publikum gab es zwei Zugaben, wobei die letzte typisch für das Duo war: Mit Thelonious Monks "Rhythm-A-Ning" begannen sie, improvisierten - und endeten schließlich in Sonny Rollins "Oleo".
(Südwest Presse: Donnerstag, 08.05.2008)
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