Iiro Rantala mit Routine statt mit Spielwitz
Der finnische Pianist Iiro Rantala stellte in Langenau sein aktuelles Album "Lost Heroes" live vor, ließ dabei allerdings spontanen Spielwitz vermissen.
Was hätte das für ein Abend werden können. Mit "Lost Heroes" hat der Pianist Iiro Rantala gerade erst ein fantastisches Solo-Album vorgelegt, und dessen Stücke sollten im Pfleghof zu Gehör gebracht werden. Allerdings: Jazz lebt von Improvisation, spontanen Eruptionen. Und gerade Iiro Rantala war in der Vergangenheit mit seinem Trio Töykeät ein Garant für aberwitzige Ideen, der Mann für schräges Entertainment bei seinen Ansagen.
Davon erlebten die knapp 50 Zuhörer im Langenauer Pfleghof allerdings nichts. Rantala gab den seriösen Pianisten, offenbar beschwert vom musikalischen Nachlass der großen Musiker, deren hohes Lied er mit Eigenkomposition singen wollte. Und so erlebten die Besucher nicht viel mehr als die Reproduktion der Stücke des Albums in umgestellter Reihenfolge. So kams, dass dieser Abend für Ersthörer ohne Frage ein pianistischer Genuss war. Für jene, die das Album kennen, wars ein hochklassiges Konzert ohne Überraschungen.
Rantala swingte rasant und perlend im Sinne des großen Oscar Peterson, lebte Erroll Garners Spielwitz mit überkreuzten Händen und einem ganz speziellen Minimalismus oder gab mit "Waltz for Bill" ein einfühlsames Stück Musik für Bill Evans.
Dass Rantala mit allen Jazz-Wassern gewaschen ist, wusste man bereits vorher. Spannender als die Jazz-Hommagen oder der bassig donnernde Tastenrocker für Jaco Pastorius waren da schon die klassischen Exkurse. Raumgreifend und lyrisch der Ausflug auf den Spuren von Jean Sibelius. Rantala malte hier großartige, weite Landschaften mit Aquarellfarben. Nicht minder interessant, wie sich der Pianist in die musikalische Welt des finnischen Musikerneuerers Pekka Pohjola einfühlte. Zum Höhepunkt des Abends wurde allerdings "Tears for Esbjörn", dem schwedischen Superpianisten Esbjörn Svensson gewidmet. Voller Poesie und mit ergreifenden und gleichsam griffigen Harmoniefolgen brachte Rantala fast jeden Zuhörer dazu, die Augen zu schließen und sich verzaubern zu lassen.
Das Erwachen kam bereits nach einer guten Stunde, denn da gings darum, sich Zugaben zu erklatschen: ein italienisch motiviertes Intermezzo und eine Pop-Petitesse aus eigener Feder.
Autor: Udo Eberl
Südwest Presse: Mittwoch, 23.03.2011
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