KABARETT / Die Dresdener "Herkuleskeule" im Langenauer Pfleghof
Die Gefahren der Gänsehaut und die verpfuschte Nullserie
Mit ihrem Programm "Licht an" bewiesen Rainer Bursche und Michael Frowin von der Dresdner Herkuleskeule, dass die politische Satire lebt. Und wie.
STEFAN LOEFFLER
Der Abend begann mit einer Warnung. Wer keine Lust auf politisches Kabarett habe, der könne ja immer noch gehen. "Noch sind die Türen geöffnet", meinte Michael Frowin, "andererseits ist es aber auch gut, dass Sie kurz vor der von Innenminister Schäuble prognostizierten terroristischen Apokalypse noch einmal hierher gekommen sind". Dieser Panikmacher Schäuble sei es ja auch, der mögliche Terroristen auf Verdacht erschießen lassen möchte: "Christian Klar kann froh sein, dass ihn der Köhler nicht begnadigt hat." Der Wahl-Dresdner Michael Frowin überzeugte nicht nur durch sein kabarettistisches Gespür, sondern auch durch schauspielerisches Können. Und auch seinem Partner, dem sächselnden Rainer Bursche, war es ein Leichtes, dem Publikum den Spiegel vorzuhalten.
An dem Abend ging es nicht nur um Hassliebe zwischen Ossis und Wessis, sondern um den Zustand des Volkes, des Landes und der Welt schlechthin. Und der ist nach Texter Wolfgang Schaller, dessen Kolumnen für die
"Sächsische Zeitung" die Grundlage für das zweistündige Programm bildeten, alles andere als gut. Siehe Klimakatastrophe, Schadstoffe, Gammelfleisch und auch Vogelgrippe: "Wir haben auf der Fahrt hierher gehört, dass ein Bauer seine Frau erschlagen hat, nur weil sie eine Gänsehaut hatte."
Über einen Witz kann, darf und soll man eben immer lachen. So auch bei der Herkuleskeule. Doch mitunter blieb den Besuchern das Lachen buchstäblich im Hals stecken. Michael Frowin: "Bei der letzten Landtagswahl in Sachsen hat jeder zehnte Einwohner die NPD gewählt."
Das ist nicht witzig und dafür bekamen die Ossis auch eine gewaltige Ohrfeige: "Sind wir denn daran nicht selbst schuld? Schließlich hatte Deutschland vor hundert Jahren ja schon einmal Kolonien, und da hat man die Neger ja auch nicht mitwählen lassen." Volltreffer. Geht es eigentlich noch provokanter?
Schuld sind sowieso immer nur die Menschen - oder doch Gott? Obwohl, vielleicht hätte der Schöpfer bei der Erschaffung des Menschen besser noch etwas geübt, statt "die verpfuschte Nullserie in Massenproduktion zu
schicken".
(Südwest Presse: Freitag, 26.10.2007)
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