TIERGESCHICHTEN / Helme Heines "Freunde" lösen knifflige Fälle im Fernsehen
Die Spürnasen von "Mullewapp"
26 Fünf-Minuten-Episoden mit dem Erfolgstrio in der "Sendung mit der Maus"
Es muss nicht immer Magie und Hexerei sein, was Kinder fesselt. Dass die großen Themen des Lebens auch auf der Bühne eines Hühnerstalls einfach und unterhaltsam präsentiert werden können, beweist Helme Heine mit seinen Bilderbüchern immer wieder aufs Neue.
MONIKA HÖNA
Sie sind ein eingespieltes Team: das muskelbepackte Schwein Waldemar, der eitle, aber stets hilfsbereite Gockel Franz von Hahn und der clevere Mäuserich Johnny Mauser. Vor mehr als 20 Jahren erschienen die "Freunde" erstmals als Bilderbuch und haben sich seither eine Fangemeinde rund um den Globus erobert. Mit 26 Fünf-Minuten-Auftritten in der "Sendung mit der Maus" (Start ist am 9. Oktober) kommt das Erfolgstrio nun auch im Fernsehen groß raus.
Die Episoden, um die es dabei geht, sind Kurzversionen der bereits in Buchform erschienenen Geschichten "Ein Fall für Freunde" und "Neue Fälle für Freunde", die Helme Heine gemeinsam mit seiner Frau Gisela von Radowitz ausgearbeitet hat. Natürlich werden bei diesen "Krimis" rund um den Bauernhof "Mullewapp" keine Räuber und Mörder gejagt. Aber es besteht durchaus Aufklärungsbedarf, wenn ein Huhn bewusstlos im Hühnerstall liegt oder wenn der Igel Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht wird.
Die Fälle im kleinen Tierkosmos eines Bauernhofs anzusiedeln, entspricht der Grundüberzeugung von Helme Heine, der an die Kraft einer elementaren Geschichte glaubt. Dazu gehören für ihn selbstverständlich auch die großen Themen des Lebens wie Liebe und Tod, Eifersucht und vor allem Freundschaft. Letztere zeigt sich beispielsweise am häufig benutzten Fahrrad der "Freunde", das sich nur in einer gemeinsamen Anstrengung fortbewegen lässt.
Solche einfachen, aber gerade für Kinder sehr anschaulichen Symbole spielen in seinen Geschichten immer eine entscheidende Rolle. "Viele der jungen ,Leser können ja noch nicht selbst lesen", erläutert der 64-Jährige. Umso mehr muss sich seiner Ansicht nach der Illustrator bemühen, "das Wesentliche in den kleinen Dingen darzustellen".
Der Schweine-Schmuggler
Dass für ihn, der lange als Regisseur gearbeitet hat, das Bilderbuch viel mit dem Theater zu tun hat, wird bei seinen Lesungen deutlich. Als er kürzlich im Langenauer Pfleghof gastierte, beeindruckte er das Publikum nicht nur durch sein zeichnerisches, sondern auch durch sein schauspielerisches Talent. Während er einige der Akteure aus seinen Büchern mit sparsamen, aber gekonnten Strichen aufs Papier zauberte, unternahm er unterhaltsame Streifzüge durch seine eigene Lebens- und Gedankenwelt.
Wenn er etwa die Geschichte des kleinen Schweins erzählt, das er einst in Afrika gerettet und über die Grenze geschmuggelt hat, wird schnell klar, wer für den dicken Waldemar Pate gestanden hat. Und die Abstimmung über das schönste Huhn und das schönste Ei lässt ahnen, welche Konflikte bisweilen im Hühnerstall zu lösen sind. Bis aus solchen Erfahrungen und Ideen eine Geschichte wird, vergeht allerdings viel Zeit. "Die Charaktere, ihre Eigenarten und auch ihr Aussehen - das alles will wohlüberlegt sein", sagt Helme Heine. Auch über den Fernseh-Auftritt der "Freunde" hat er lange nachgedacht, schließlich sollen die drei Helden das Ganze unbeschadet überstehen.
Aber wie es bei Berühmtheiten eben so ist: Wenn das Rad erst einmal am Rollen ist, kann man nicht so einfach abspringen. Inzwischen hat auch Warner Bros. angeklopft und Interesse an einem Kinofilm bekundet. Eine endgültige Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen, aber Helme Heine denkt schon mal über ein Drehbuch nach. Und die Hauptdarsteller? Na, dreimal dürfen Sie raten!
Südwest Presse: Mittwoch 07.10.2005
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