KABARETT / Springbrunnen mit Turbolader
Von Kohl zu Köhler
Heinrich Pachl stoibert, müntelt und merkelt
Ein guter Kabarettist hat kein Verfallsdatum - das zeigte der Routinier Heinrich Pachl im Langenauer Pfleghof: Zwei Stunden treffsicheres verbales Angriffsspiel.
ULI LANDTHALER
Wie lautet die Steigerung von Kohl? Na? - richtig: Weil Angela Merkel ihrem politischen Ziehvater zur Dankbarkeit verpflichtet war, hat sie einen unbekannten Finanzberater zum Bundespräsidenten gemacht und den Kohl-Faktor in der Politik wiederbelebt. Und Heinrich Pachl sein Thema geliefert.
Pachl ist ein alter Haudegen des politischen Kabaretts, hat schon im alternativen Theater der Siebziger Jahre den "Wahren Anton" gegeben und macht in seinem aktuellen Programm den satirischen Überschlag ins jetzige Jahrtausend. Das Kohl-Köhler-Wortspiel ist eine ideale Beute für einen, der mit aberwitzigen Verschwörungstheorien die große Politik zu erklären
trachtet.
Nun gut, die pommersche Kampfkartoffel Angie liefert noch nicht die gehaltvollen kabarettistischen Vorlagen des 16-Jahre-Kanzlers, aber die Anfänge sind gemacht. Zum Beispiel das kleine Petzbüchlein, in das Angie schon damals die Missetaten ihres Amtsvorgängers Schröder eingetragen hat, um es strebernd dem großen George-Dabbeljuh-Busch über den Atlantik hinweg zu reichen: "Wir würden mit euch in den Krieg mitkommen, wenn wir bestimmen dürften!" Aber Vorsicht, Merkel-Witze sind von Natur aus frauenfeindlich, "und das liegt nicht an den Witzen."
Das soll nicht heißen, dass der Kölner Kabarettist auf einem politischen Auge blind ist; der berühmte Klüngel in seiner Heimatstadt ist ja eine Sozi-Domäne. Und dann der arme Münte, der sich immer seine missglückten Äußerungen aufs Brot schmieren lassen muss: Die Rente mit 67 kommt früher - ist das jetzt wahr gelogen oder gelogen wahr?
Schon gewusst? Roland Koch, der schon in der Krabbelgruppe die Baby-Union gründete, lügt nicht, sondern klärt höchstens mal nicht aktuell über sein vollständiges Wissen auf. Und der Papst schnurrt seine Predigten deswegen so herunter, weil er nun mal als Faxgerät Gottes fungiert. Respekt ist dem Kabarettisten Pachl ein Fremdwort: Was ist der Unterschied zwischen einem Ei und einem Ossi? Beide kann man in die Pfanne hauen, aber das Ei nur einmal.
Wie bei einem Springbrunnen mit Turbolader sprudeln die Wortspiele des TV-erprobten Vollblutkabarettisten, die im kleinen Pfleghofsaal umso besser zur Geltung kommen. Pachls verbale Kombinationsmaschine stoibert, müntelt und merkelt, köhlert und ratzingert in einem Tempo, dass die Nettospielzeit von zwei Stunden so schnell um ist wie eine rasende Achterbahnfahrt auf dem Rummelplatz der ständigen Berliner Chaostage. Man steigt aus dem Sitz und ist verwirrt und durchgeschüttelt - man hat die Welt auf dem Kopf stehen sehen und sie trotzdem irgendwie deutlicher wahrgenommen.
Südwest Presse (Montag, 05.02.2007)
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