Dann dreht er auch noch Pirouetten
Vorzügliche Unterhaltung mit Gustav Peter Wöhler und Band in Langenau
Der Schauspieler Gustav Peter Wöhler gastierte als Sänger mit seiner Band im Langenauer Pfleghof und bereitete dem Publikum einen perfekten Abend.
ALBERT HEFELE
Ein wirklich schöner Mann ist Gustav Peter Wöhler wohl nicht. Darum dachte er als junger Mensch auch gar nicht daran, dass er Schauspieler werden könnte. Mittlerweile ist er einer, und zwar einer der erfolgreichsten im deutschen Film und TV. Was ihn nicht daran hindert, immer wieder seiner wahren Liebe zu frönen: der Musik.
Wer ein guter Sprecher ist, muss nicht automatisch gut singen können. Wöhler kann. Das kommt einerseits daher, dass er schon immer in Bands aktiv war, andererseits weiß er, wie man eine Nummer dramatisch aufbaut und wie man Präsenz ausstrahlt. Da wiederum kommt der Schauspieler in ihm zu seinem Recht. Denn obwohl Gustav Peter Wöhler in sehr jungen Jahren der Eisprinzessin Marika Kilius (kein Druckfehler!) nacheiferte, kann er sich eigentlich nicht gut bewegen. Er tut es aber trotzdem und hat - ob seiner Bühnenerfahrung - keine Angst, sich zu blamieren. Gustav Peter Wöhler knöpft sich bei Randy Newmans "Lonely at the top" lasziv den obersten Hemdknopf auf, greift sich bei Michael Jacksons "Bad" zierlich in den Schritt und legt zu John Martins "May you never" eine Pirouette auf die winzige Bühne des Langenauer Pfleghofs, dass dem begeisterten Publikum schon beim Zusehen schwindlig wird. Apropos Publikum. Der Pfleghof war richtig voll und die, die gekommen waren, von der ersten Minute an voll dabei. Kein Wunder, die Auswahl der Stücke kam der Altersklasse der Anwesenden perfekt entgegen und: Die Band war erste Sahne.
Der ausgezeichnete Gitarrist Mirko Michalzik ist neu bei Wöhler, den Fans, die auch Stefan Gwildis mögen, aber ein alter Bekannter. Am Bass wirkt "Mister Bass" Olaf Casimir und als Pianist/Keyboarder ist Kai Fischer in Aktion, dessen Orgelsolo zu "Son of a Preacher man" wohl auch Brian Augers Wohlgefallen gefunden hätte. Trotz dieser Hochkaräter - Gustav Peter Wöhler ist die Seele des "Get Back" Prograramms. Weil er (Ausnahme Blues) singen kann und weil er so ist, wie er ist. Er ist witzig und manchmal sehr direkt, ein wenig exaltiert, ohne wirklich eitel zu sein. Und damit einfach liebenswert.
(Südwest Presse: Montag, 19.10.2009)
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