MUSIK / Gerardo Núñez mit Trio in Langenau
Flamenco fast jazzlos
Nach acht Jahren kehrte der Flamenco-Gitarrist Gerardo Núñez in den Pfleghof zurück. Erneut mit einem Trio, allerdings diesmal mit einem Bassisten von Weltniveau.
UDO EBERL
Klare Sache: Gerardo Núñez trägt den Ruf, einer der herausragendsten Flamenco-Gitarristen neben Paco de Lucia zu sein, nicht von ungefähr mit stolz geschwellter Spanierbrust vor sich her. Und von Rückkopplungen lässt sich so einer schon gar nicht bremsen. Mikrofon zur Seite, ran an den Bühnenrand und los gehts. So war das im bis auf den letzten Platz besetzten Langenauer Pfleghof bei iberisch anmutender Raumtemperatur.
Mitschwitzen wollte man auch beim virtuosen Fingerspiel des Maestro. Reiner Wahnsinn, wie Núñez mit Kalkül über Saiten und Bünde raste, den Flamenco ein wenig modern einfärbte, ohne sich jemals zu weit von den Roots zu entfernen. Schade eigentlich, denn man hatte den Mann rein musikalisch und in Sachen Crossover schon ein wenig mutiger gehört.
Nun hieß es also: Flamenco-Magier spielt, was er kann und sonst nichts. Schluss, aus, fertig. Die paar seifigen Jazzharmonien, die er beisteuerte, waren nicht der Rede wert. So viel zu leeren Versprechungen - denn natürlich durfte man wegen der Mitwirkung des prominenten Kontrabassvirtuosen Renaud Garcia-Fons mit weit mehr als einem Hauch von Jazz rechnen. Doch der Franzose, der die notierten Grundlagen für sein Spiel in Langenau wohl zum ersten Mal zu Gesicht bekam, zeigte zwar in den ersten Soli des Abends, dass er in Sachen Rasanz auch auf dem großen Resonanzraum locker mithalten konnte, begnügte sich aber ansonsten mit relativ simplem, tiefem Grundieren.
Rhythmischer Adept
Da hatten die Langenauer mit dem ersten Konzert der Tournee wohl nicht das beste Los gezogen, denn eingespielt war dieses Trio wahrlich nicht, und die Genialität von Garcia-Fons war hier sowieso nur bedingt gefragt. Angel Sánchez, genannt Cepillo, seit ewigen Zeiten der Begleiter von Núñez auf der hölzernen Perkussionskiste Cajon, und sein treuer rhythmischer Adept, hielt sich genauestens an die vom Chef via Blickkontakt gegebenen Freiheiten. So gings lang.
80 Minuten lang dauerte das Konzert im Pfleghofsaal - inklusive dreier Zugaben. Freunde des Flamenco der Spitzenklasse mögen, glaubt man dem Beifall, voll auf ihre Kosten gekommen sein. Besser gings auch kaum. Wer einen gleichberechtigten Garcia-Fons in Bestform und jazzige Dreher erwartet hatte, der konnte sich ob der Dominanz des stolzen Spaniers nur
verwundert die Augen reiben.
Südwest Presse (Donnerstag, 15.03.2007)
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