Ensemble Six im Pfleghof Langenau KONZERT / Schmalz in der Kehle
Zwei ausverkaufte Konzerte: Das Ensemble Six erzeugte mit Humor, Sangeskunst und Schlagern aus den 20er und 30er Jahren im Pfleghof eine faschingsreife Stimmung.
CHRISTA KANAND
Ein großer, grüner Kaktus auf dem Flügel, aus Omas Plattensammlung schrammelt eine Schelllackscheibe auf dem Grammophon - Männerstimmen, die zur Legende wurden: "Comedian Harmonists". Ihr Markenzeichen war die Gesangmanier mit falsettierenden Stimmen. Genau dieser samtweiche Stil und das Repertoire von Anno dazumal ist quietschvergnügte Herzenssache für das Ensemble Six mit Rüdiger Ballhorn, Andreas Wellen, Nikolaus Borchert (alle Tenor), Karsten Lehl (die "Bari-Tonne"), Holger Müller (Bass) und Michael Reuter (Klavier).
Durch das rheinische Sextett, das früher unter "Die Mundharmoniker" firmierte, leben die "Harmonists" weiter. Jetzt schienen sie leibhaftig auf der Bühne im proppenvollen Langenauer Pfleghof zu stehen. Mit "La Paloma" und Schwerenöterblicken schmeichelten sich die Sunnyboys sofort bei den knapp 200 Zuhörern ein.
Nicht nur potenziellen Schwiegermüttern wurde warm ums Herz. Brav, propper mit Sportsakko, Pullunder und Kappe, die Scheitel pomadisiert, immer ein Lächeln auf den Lippen und schmalzige Töne in der Kehle. Die studierten Musiker, später standesgemäß schwarz befrackt für den zweiten Teil, reiten auf der Retro-Welle. In ihrer flotten Bühnenshow präsentieren die Frohnaturen Schlager aus den 20er und 30er Jahren von ihrer aktuellen CD "Ensemble Six singt Comedian Harmonists". Die kabarettistische Gaudi kommt an. Nostalgisches zieht halt.
Als kesser Schabernack gingen Evergreens zum inneren Mitsingen wie "Wochenend und Sonnenschein", "Ich wollt, ich wär ein Huhn" oder "Veronika, der Lenz ist da" wunderbar fünfstimmig austariert mit wechselnden Solisten ins Ohr, ebenso Schuberts "Am Brunnen vor dem Tore" voll romantischer Innigkeit und feiner A-cappella-Qualität.
Michael Reuter am Flügel erheiterte solo mit einem verwegenen Tastenritt von Chopin über die Beatles bis zur verrockten "Internationalen". Als Stimmband-Orchester-Version wurde Rossinis "Barbier von Sevilla"-Ouvertüre gesummt, gequäkt und getrötet, wobei die Schwulitäten um eine verlorene Schnurrbart-Hälfte für Lachtränen sorgten.
Die Stimmung bei Jung und Alt war faschingsreif. Die Zutaten wirkten: witzige Moderation, kitschig-plüschige Requisiten, Männer-Ballett-Faxen im Stil des Golden Age und das komödiantische Talent im Sechser-Pack.
(Südwest Presse: Donnerstag 05.02.2004)
Startseite