Schöpferisches Ungleichgewicht
im Pfleghof
Ein Konzert mit Dino Saluzzi und Anja Lechner im Langenauer Pfleghof
Mit ihrem Programm "Ojos Negros" traten der Bandoneon-Könner Dino Saluzzi und die Cellistin Anja Lechner im Langenauer Pfleghof auf.
UDO EBERL
Die leise Melancholie des Tangos, das Auf und Ab des Lebens, die rhythmische Raffinesse dieses Tanzes, wie auch die unvermeidlichen Harmonieschwankungen eines Paarlaufs: All dies und vieles mehr fassten der
argentinische Bandoneon-Virtuose Dino Saluzzi und Anja Lechner auf dem Cello in ihre Kompositionen und Improvisationen, sie komprimierten und hauchten Töne.
Die Stücke des ersten Albums "Ojos Negros", im vergangenen Jahr bei ECM erschienen, standen bei diesem Konzert im Langenauer Pfleghof im Mittelpunkt. Tango, Klassik, Kammermusikalisches - eine Genre-Liaison, mit der die beiden Akteure vor Jahren in anderer Besetzung bereits reichlich Erfolg hatten. Die Cellistin, Mitglied des Rosamunde-Quartetts, hatte mit eben diesem Vierer und Saluzzi bereits vor zwölf Jahren das gefeierte Album "Kultrum" veröffentlicht.
So weit die Laudatio - doch was blieb nun davon beim sehr gut besuchten Konzert im Langenauer Pfleghof?
Eher die Pflicht. Man erlebte ein Duo, das seit Jahren auf sehr hohem Niveau auf der Stelle tritt, weit mehr vom kompositorischen und emotionalen Input des Argentiniers lebt als von den schüchternen und leicht vereisten Improvisationsansätzen der klassisch gefesselten Partnerin. Kaum verließen die beiden die vorgezeichneten, durchaus fesselnden Notenrouten, war das schöpferische Ungleichgewicht dieses Duos
nicht mehr zu überhören.
Erst im einzigen Solo des Abends schien Saluzzi in seinem eigentlichen Element, die Bremse schien gelockert. Und als er sehr redselig über die Schwierigkeiten seines Instruments und die Improvisation als wahre Herausforderung referierte, schien Frau Lechner sehr genau zuzuhören. Denn kurz darauf musste sie ran. Allerdings wurde der Freiflug in Überlänge eher zu einem meditativ wabernden und von Flageoletts getragenen Standardhopping.
Mit einem leichtfüßigen Tango, als Zugabe nach reichlich Beifall der Zuhörer gespielt, verabschiedeten sie sich mit der Verve, die man sich in der Stunde zuvor auch so oft gewünscht hatte. 2.]3.]4.]5.]6.]7.]8.]
(Südwest Presse: Samstag 13.09.2008)
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