Christof Lauer und Norwegian Brass in der Martinskirche
KONZERT / Christof Lauer und Norwegian Brass
Da swingt sogar die Tuba Geistliche Musik im Jazzgewand
Christof Lauer und das Ensemble Norwegian Brass präsentierten in der gut besuchten Langenauer Martinskirche geistliche Musik im Jazzgewand.
WOLFGANG HÄBERLE
Christof Lauer gehört seit gut 25 Jahren zu den führenden Saxophonisten in Europa. Er war Mitglied in der NDR Big Band, im United Jazz & Rock Ensemble, und er spielte zusammen mit Carla Bley, Gary Burton und Michel Portal.
Lauer wuchs in einem Pfarrerhaushalt auf, die Kirchenmusik war also schon früh ein ständiger Begleiter. Als Jazzmusiker hatte er dann später über all die Jahre immer ein Projekt im Hinterkopf, wie man sich als Jazzer mit der geistlichen Musik auseinandersetzen könnte - speziell auch mit Weihnachtsliedern. Und es war klar, dass dies nur mit einem Bläserensemble erfolgen konnte, schließlich hatten die Posaunenchöre bei Lauer einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Auf der Suche nach geeigneten Musikern stieß Lauer auf den norwegischen Komponisten, Arrangeur und Saxophonisten Geir Lysne, der auch Leiter einer Big Band ist und sich in seinen Werken stark von klassischer Musik inspirieren lässt. Die beiden stellten fest, dass viele deutsche Kirchenlieder, auch die mit weihnachtlichem Bezug, in Norwegen sehr wohl bekannt sind. Zusammen mit Norwegian Brass wurde 2003 dann das Projekt auf der CD "Heaven" realisiert.
In Langenau trat das norwegische Bläserquintett in der Besetzung Frank Brodahl und Marius Haltli (Trompeten und Flügelhörner), Lars Andres Haug (Tuba), Rune Brodahl (Französisch-Horn und Posaune) und Christian Jaksjø (Euphonium) an.
Die Arrangements der Stücke stammten alle von Geir Lysne und wurden von ihm auch in der Martinskirche dirigiert. Diese Arrangements sind komplex, abwechslungsreich und spannend, insbesondere für das Bläserquintett, das eigentlich die Aufgabe der Begleitung und Untermalung für die Saxophone und deren Solorolle hat. Aber auch die Musiker des Quintetts schlüpften immer wieder in die Führungsrolle, wobei diese oft der Tuba zugedacht war, die regelrecht swingte. Und obwohl die Bläser sich auch mal kräftig ins Zeug legten, blieb die Lautstärke immer passend zum kirchlichen Rahmen und seiner besinnlichen Stimmung.
Den Gesangspart übernahm in Langenau der norwegische Folksänger Sondre Bratland, der eher den traditionellen Teil verkörperte. Er leitete die Stücke mit Texten und seiner ruhigen besinnlichen Stimme ein. In "Ich weiß im Himmelreich" klang die begleitende Tuba allerdings eher wie ein Didgeridoo.
Im Mittelpunkt des Konzerts stand Christof Lauer mit seinen Saxophonen. Er stellte die Themen vor, er hatte die Aufgabe, über die Themen zu improvisieren. Wenn er wie in "Kommet, ihr Hirten", minutenlang als Einleitung solo auf seinem Sopran einfallsreich, zart und spröde auch mit vielleicht ungewohnt schrägen Tönen improvisierte und erst spät das Leitthema preisgab, hatte das Klasse.
Aber ebenso großartig war es, wie er und das Quintett Einblicke auf die folkloristischen Wurzeln der liturgischen Lieder gewährten. Erst als Zugabe gab es dann doch noch einen viel beklatschten Weihnachtsklassiker mit "Es ist ein Ros entsprungen".
Artikel vom Dienstag 07.12.2004 aus SÜDWEST - PRESSE Ausgabe Ulm
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